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Die Bunte Welt der Feuilletonisten und Leitartikler

Posted by paulipoldie on September 10, 2010

Von Politically Incorrect

„Endlich! Endlich! Endlich!“ So ist der subtile Unterton in Thomas Seiferts (Foto) jüngstem Artikel in der Österreichischen Tageszeitung Die Presse. Nachdem die europäischen Nachrichtenagenturen vor allem durch brüllendes Schweigen auf die Lage der Christen in der Welt aufmerksam machen, hat endlich wieder einmal ein radikaler christlicher Kleriker seinen Weg in die Schlagzeilen gefunden (PI berichtete).

(Von Don S.)

Da sich bisher alle Meldungen über angebliche Koranverbrennungen oder Koran-Spülungen als mediale Ente erwiesen haben, scheint die Armee der Gutmenschen endlich fündig geworden zu sein: Ein obskurer Pastor in Florida namens Terry Jones ruft dazu auf, am kommenden Jahrestag der Terrorangriffe des 11. Septembers gedruckte Versionen des Korans zu verbrennen. Verantwortungsbewusst wie die Medien in Bezug auf den Islam meist sind, wird diese Nachricht sofort über alle Kanäle verbreitet und endet nur kurz vor der Spekulation, ob nicht in Wirklichkeit eine Mehrheit der Amerikaner (oder in jedem Fall der Republikaner) eine solche Verbrennung nicht befürworten würden:

Ach, Amerika! Was ist bloß aus den Vereinigten Staaten geworden? Waren die USA nicht stets der Hort der religiösen Toleranz, jener Ort, an den die Europäer geflohen sind, um der religiösen Repression auf dem Alten Kontinent zu entgehen?

Hier versucht Seifert die Leser schlau hinters Licht zu führen: Von den Koranverbrennungen in Granada 1492 zu den Koranverbrennungen in Florida 2010 besteht laut Seifert ein Zusammenhang, welcher sich auch in der aktuellen Debatte um die Moschee in der Nähe des Ground Zero zeigt. Um diese Argumentation zu untermauern, werden alte Plattitüden und Halbwahrheiten bemüht:

Christliche Ritter unter Kardinal Mateo Ximenes de Cisneros verbrannten nach der Eroberung des spanischen Granada Koran-Ausgaben, die Araber wurden zurückgeschlagen, die spanischen Könige erließen auch das Alhambra-Edikt, in dem die Vertreibung der Juden aus allen Territorien der spanischen Krone angeordnet wurde.

Abgesehen davon, dass der Hinweis auf die Vertreibung der Juden nur ein weiterer geschmackloser Versuch ist, sämtliche Islamkritiker in ein antisemitisches Eck zu schieben (so wie aktuell Thilo Sarrazin), sieht sich Seifert offenbar nicht gezwungen, seine „Fakten“ zu überprüfen:

Von Granada nach Cordoba: Der Name der 202 Kilometer von Granada entfernten andalusischen Stadt taucht in der New Yorker Moscheenkontroverse wieder auf. In diesem Streit geht es darum, dass ein paar Blocks entfernt von jenem Ort, an dem bis zum 11. September 2001 das World Trade Center stand, eine Moschee errichtet werden soll – federführend dabei ist die Gruppe „Cordoba Initiative“.

Warum Cordoba? Als Andalusien von den Arabern beherrscht wurde, war Cordoba ein geistiges Zentrum, in dem Juden, Christen und Muslime friedlich koexistierten.

Eine einzelne Google-Suche hätte den werten „Journalisten“ darüber aufgeklärt, dass 1011 in Cordoba und 1066 in Granada massive Pogrome stattfanden – just in jenen Städten, die laut Seifert Stätten der Toleranz waren. Aber selbst wenn man diese Fakten verschweigt, bleibt von den blühenden Zeiten der Koexistenz in Al-Andalus nicht allzu viel über. Bernard Lewis, mit Sicherheit ein größerer Experte in Islamfragen als Thomas Seifert oder der Autor dieses Beitrages, trifft die folgende Feststellung (auf Seite 4): „The Golden Age of equal rights was a myth, and belief in it was a result, more than a cause, of Jewish sympathy for Islam.”

Besonders lächerlich ist jedoch die Annahme, dass die Gruppierung hinter der „Cordoba-Initiative“ diesen Name gewählt hat, um eine fiktive Zeit der Harmonie der Religionen wiederaufleben zu lassen. Abgesehen davon, dass in den meisten (nicht allen, aber der überwiegenden Anzahl von Staaten) Ländern die Religionen friedlich zusammenleben, solange nicht eine davon mit I beginnt und auf –slam endet. Nur ist keine Ideologie so erfolgreich im Ausschlachten des westlichen Schuldkomplexes. Die Absurdität der Argumentation, dass gerade weil Muslime am meisten im Namen ihrer Religion morden, andere Religionen Gebetsstätten für eben jenen mörderischen Islam errichten müssen, ist nicht zu überbieten. Doch genau das fordert Thomas Seifert:

Sogar Karen Hughes, die der frühere Präsident George W. Bush während seiner Präsidentschaft eingesetzt hatte, um die Beziehungen Amerikas zur islamischen Welt zu verbessern, hat sich dafür ausgesprochen, die Moschee an einem anderen Platz zu bauen. Dabei sind längst mehr Muslime als Bürger der Vereinigten Staaten durch die Hand muslimischer Extremisten umgekommen. Die meisten Opfer von al-Qaida oder den Taliban heißen nicht John, Susan oder George, sondern Mohammed, Fatima oder Hussein.

Nimmt man diese Aussage wörtlich, bedeutet sie, dass je mehr Muslime durch al-Qaida getötet werden, umso mehr Moscheen müssen in westlichen Ländern errichtet werden. Und zwar am besten, der Seifert’schen Diktion folgend, an den Orten islamistischer Terroranschläge.

Während man diese Punkte noch als reine Meinungsverschiedenheiten abtun kann, gestaltet sich die Lage bei Seiferts Wissen mit Bezug auf den aktuellen Islam doch etwas problematischer:

Der Initiator der Cordoba-Initiative, Feisal Abdul Rauf, ist einer der wichtigsten Denker des Sufismus, einer mystischen Form des Islam, die die Gewalt von Bin Ladens al-Qaida aufs Schärfste ablehnt.

Rauf will seine Hand zu den nichtmuslimischen Amerikanern ausstrecken und Rauf ist jemand, der in seinem Buch „What’s right with Islam is what’s right with America“ Parallelen zwischen islamischen und amerikanischen Werten zieht. Der tolerante Imam steht auf der Abschussliste von al-Qaida.

Abgesehen davon, dass mich interessieren würde, woher Seifert die „Abschussliste“ der al-Qaida kennt (ist er ein Brieffreund Bin-Ladens oder Mitglied von Zawahiris Email-Verteiler?), hat sich der „Presse“ Journalist wieder einmal als besonders Fakten-resistent erwiesen. Darum hier zum Nachlesen in Kurzform:

• Richtig, der Sufismus ist eine mystische Form des Islam, die jedoch gerade von Seiten des orthodoxen Islams kaum wenn überhaupt anerkannt wird (daran ändert auch die „Amman Message“ nichts).

• In den Worten des Orientalisten Tilman Nagel: „Die Annahme, einem rigiden, unduldsamen ‚Gesetzesislam‘ stehe eine ‚tolerante‘ sufistische Strömung entgegen, gehört zu den Fiktionen der europäischen Islamschwärmerei und wird durch die historischen Fakten tausendfach widerlegt.“ (Zitat ist belegt, aber auch auf Wikipedia zu finden).

• Laut Seifert will Rauf „seine Hand zu den nichtmuslimischen Amerikanern ausstrecken.“ Ein ehrenwerter Plan, und der erste Schritt dazu ist auf einem religiösem Zentrum zu bestehen dessen Bauplatz (nicht das Recht auf ein religiöses Zentrum an sich) über 60% der wahrscheinlich „nichtmuslimischen Amerikaner“ ablehnen. Rauf verlangt dennoch die Errichtung auf dem ursprünglichen Baugrund, was für mich mehr nach einer Provokation als nach einer Versöhnungsgeste aussieht.

• Wer ist übrigens der Hauptkäufer von Raufs Buch „What‘s right with Islam is right with America?“ Das amerikanische State Department hat 2000 Kopien erworben und lässt diese nun von Botschaftsangestellten in der islamischen Welt verteilen. In anderen Worten, der amerikanische Steuerzahler finanziert die Büchertour eines Muslims in der Islamischen Welt (PI berichtete).

• Und über die politischen Ansichten des Imams mache sich jeder selbst ein Bild.

Zum Abschluss serviert Seifert noch das mühsamste aller Argumente:

Im Westen ist das Feindbild unserer Tage der Islam: Sarrazinismus und andere Simplifizierungen in Deutschland, Moscheenabschießspiele und andere Scheußlichkeiten in Österreich, Islam-Beschimpfungen durch Geert Wilders in den Niederlanden. Und nun eben Koran-Verbrennungen in Florida. Steuern wir auf ein neues „Zeitalter der Extreme“, wie der in Wien aufgewachsene Historiker Eric Hobsbawm das blutige 20. Jahrhundert und den Schrecken der großen Diktaturen genannt hat, zu?

Denn die Koran-Verbrennung eines durchgeknallten Pastors in Florida wird zu einer Gefahr für die nationale Sicherheit der USA. Davor warnt sogar der Oberbefehlshaber der US-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus. Denn die islamischen Fundamentalisten warten nur darauf, den Ball, der ihnen von Leuten wie Pastor Terry Jones zugespielt wird, aufzunehmen.

Ahja, der arme Islam und die perfekt integrierten Muslime (wie beispielsweise die Londoner Tube-Bomber oder jene in den Vororten französischer Großstädte) sind völlig unschuldig zum Feindbild geworden und fallen Hetzern wie Sarrazin und Wilders zum Opfer. Und sollte der Aufruf des durchgeknallten Pastors zu einer weiteren Welle muslimischer Gewalt führen sind natürlich auch wir, die Nichtmuslime schuld. Denn während wir unsere „Fundamentalisten“ im Griff haben und im schlimmsten Falle einen Koran verbrennen, werden in vielen muslimischen Ländern wahrscheinlich tatsächlich Menschen brennen (einen Umstand, auf den Seifert uns mit einem Heine-Zitat aufmerksam macht). Warum jedoch die Minderheit der gewaltbereiten Muslime nicht ebenso gut in Schach gehalten werden kann wie in westlichen Staaten die Minderheit der Koranverbrenner, kann auch Seifert nicht beantworten.

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