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Der Islam ist wie eine Droge

Posted by paulipoldie on September 21, 2010

Spiegel.de

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad, Sohn eines Imam in Ägypten, über Thilo Sarrazins umstrittene Thesen, seine schwierige Integration in Deutschland und sein Werk “Der Untergang der islamischen Welt”.

SPIEGEL: Herr Abdel-Samad, Deutschland ist ein gespaltenes Land. Gehören Sie zur Pro- oder Contra-Sarrazin-Fraktion?

Abdel-Samad: Weder noch.

SPIEGEL: Sie haben den goldenen Mittelweg in der Integrationsdebatte gefunden? Oder wollen Sie sich nicht in die Nesseln setzen, weder bei Ihren deutschen Freunden noch bei Ihren muslimischen Glaubensbrüdern?

Abdel-Samad: Mir gefällt die Art der Debatte überhaupt nicht. Man hält Gericht über Sarrazin oder bejubelt ihn unreflektiert. Alles bündelt sich in seiner Person – ob als Held oder Sündenbock, Sarrazin ist zum unfreiwilligen Freund der Untätigen und Ratlosen geworden. Alle Versäumnisse und Vorwürfe haben nun eine Adresse: Superman Sarrazin.

SPIEGEL: Sie halten ihn und seine Thesen für überschätzt?

Abdel-Samad: Ich bin gegen Sarrazins Rauswurf aus der SPD und denke, dass eine unverkrampfte Debatte über Integration in Deutschland bitter notwendig ist. Aber seine Schlussfolgerungen helfen uns nicht weiter, sie sind von gestern. Deutschland schafft sich nicht ab, Deutschland verändert sich durch Immigration, und das ist gut so. Über Probleme des Zusammenlebens sollten wir reden. Über die Versäumnisse der Immigranten, die nötigen Angebote an sie.

SPIEGEL: Und das verhindert der Provokateur Sarrazin mit seinen biologistischen Gedankenspielen?

Abdel-Samad: Befördert es jedenfalls nicht. Aus der Integrationssackgasse hilft uns das keinesfalls heraus. Sie sehen doch, was gerade passiert, wie sich alle eingraben: Ein CDU-Politiker wird zum wiederholten Mal betonen, dass Ausländer anständig Deutsch lernen sollten, und ein SPD-Politiker wird, nachdem er Sarrazins Äußerungen verurteilt hat, Beispiele für gelungene Integration aufzählen. Eine wütende Islamkritikerin wird die Türken für alles verantwortlich machen.

SPIEGEL: Sie meinen Necla Kelek, die Sarrazins Buch begeistert vorgestellt hat.

Abdel-Samad: Und ein türkischer Beschwichtigungsromantiker wird die Grünen-Multikulti-Hymne singen. Thilo Sarrazin ist lediglich ein Beleg dafür, dass wir ein Problem haben. Er ist der Überbringer der Botschaft, dass bei uns eine verkrampfte Streitkultur herrscht. Stimmungsmache, Apologetik, Überempfindlichkeit.

SPIEGEL: Hätte man Sarrazins Buch totschweigen sollen?

Abdel-Samad: Meine bescheidene arabische Intelligenz sagt mir, dass Sarrazin harmloser ist als das, was die Medien aus ihm machen wollen. Er kann das Land weder spalten noch heilen.

SPIEGEL: Klären Sie uns doch mal auf: Sie sind ein scharfer Kritiker des Islam und müssten doch eigentlich mit Sarrazin, der diese Religion pauschal verteufelt, in einem Boot sitzen. Warum ist das nicht so?

Abdel-Samad: Er sieht den Islam überall auf dem Vormarsch. Auch ich kritisiere vieles am Islam. Ich sehe ihn aber auf dem Weg ins Abseits. Der Islam muss nicht verteufelt werden, er muss sich von Grund auf modernisieren.

SPIEGEL: Sie prophezeien den “Untergang der islamischen Welt”. Dabei ist der Islam die am schnellsten wachsende Religion, vor allem Europa fürchtet sich vor Überfremdung.

Abdel-Samad: Zahlen sagen wenig – es gibt 1,4 Milliarden Muslime, na und? Entscheidend ist: In fast allen Ländern mit einer muslimischen Mehrheit sehen wir einen zivilisatorischen Rückschritt, eine Erstarrung aller Lebensformen. Der Islam hat keine überzeugenden Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, er befindet sich im geistigen, moralischen und kulturellen Niedergang – eine todgeweihte Religion, ohne Selbstbewusstsein und ohne Handlungsoptionen.

SPIEGEL: Machen Sie nicht den Fehler vieler radikaler Islamkritiker, die gesamte Religion mit all ihren Ausprägungen über einen Kamm zu scheren?

Abdel-Samad: Selbstverständlich hat unsere Religion viele Strömungen. Die Unterschiede mögen für Theologen und Ethnologen von Interesse sein, politisch gesehen sind sie ziemlich irrelevant. Entscheidend sind die gemeinsame Orientierungslosigkeit und Rückständigkeit, die oft zu einem aggressiven Fundamentalismus führen. Der gibt den Ton an.

SPIEGEL: Dubai trennen Welten von Somalia, das relativ liberale Indonesien Lichtjahre vom rigorosen Gottesstaat Iran. Die Türkei ist eine Demokratie und hat gegenwärtig ein höheres Wirtschaftswachstum als jeder andere europäische Staat. Alles Ausnahmen von der Regel?

Abdel-Samad: Natürlich gibt es Unterschiede. Aber wenn es Muslimen um die Einführung von Islamunterricht an europäischen Schulen geht oder wenn sie für eine islamische Organisation den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts beantragen, dann ist immer die Rede von einem Islam. Kaum attackiert jemand den Glauben, greifen sie zu einem Taschenspielertrick, um die Kritik abzuwürgen, und fragen scheinheilig: Von welchem Islam ist die Rede?

SPIEGEL: Helfen Sie uns weiter.

Abdel-Samad: Der Islam ist in gewisser Weise wie eine Droge. Wie Alkohol. Wenig davon kann sehr heilend und inspirierend wirken, aber wenn der Gläubige in jeder Lebenssituation zur Flasche der dogmatischen Lehre greift, wird es gefährlich. Von diesem hochprozentigen Islam rede ich. Er schadet dem Individuum und gefährdet das Zusammenleben. Er hemmt die Integration, denn dieser Islam teilt die Welt in Freund und Feind, in Gläubige und Ungläubige.

SPIEGEL: Das hört sich an, als ob Sie von Sarrazin so weit nicht entfernt sind.

Abdel-Samad: Mich verbindet mit Herrn Sarrazin nur, dass wir beide Migrationshintergrund haben. Er hat Angst vor der islamischen Welt, ich habe Angst um sie. Deutschland bietet uns beiden ein Forum, allein deshalb darf dieses Land nicht abgeschafft werden.

SPIEGEL: Sie propagieren einen Islam light. Was bleibt vom Kern der Religion?

Abdel-Samad: Mein Traum ist in der Tat ein aufgeklärter Islam, ohne Scharia und Dschihad, ohne Geschlechter-Apartheid, Missionierung und Anspruchsmentalität. Eine Religion, die sich jeder Kritik und Nachfrage stellt. Was mich betrifft: Ich bin schon vor längerem vom Glauben zum Wissen konvertiert.

SPIEGEL: Sie sind Atheist geworden.

Abdel-Samad: Nein.

SPIEGEL: Können Sie ruhig zugeben, es ist ja keine Schande, Atheist zu sein.

Abdel-Samad: Aber es stimmt nicht.

SPIEGEL: Das würde Ihnen kein Imam, kein katholischer Priester, kein Rabbi durchgehen lassen. An Gott glauben heißt doch akzeptieren, dass etwas jenseits des Wissens existiert. Wenn Sie das nicht teilen – warum bestehen Sie darauf, sich als Muslim zu bezeichnen?

Abdel-Samad: An Gott glauben kann auch heißen, mit ihm zu hadern. Ich bete nicht regelmäßig, ich faste nicht im Ramadan. Ich bin in diesem Sinn kein Gläubiger. Aber ich fühle mich als Muslim. Das ist mein Kulturkreis. Der Islam ist für mich auch Heimat und Sprache, mein Arabisch ist von all dem nicht zu trennen. Man kann Distanz zum Islam haben, aber im Herzen des Islam bleiben. Ich will das Feld nicht den Fundamentalisten überlassen, die Gewalt predigen. Sie sind auf dem Vormarsch.

“Ideologischer Flirt mit den Marxisten und mit der Muslimbruderschaft”

SPIEGEL: Ist der Islamismus nicht auf dem Rückzug – trotz oder vielleicht wegen aller Attentate der Qaida? Osama Bin Laden ist nicht mehr der Held der arabischen Straße.

Abdel-Samad: Der Hass auf den Westen ist geblieben und hat mancherorts sogar zugenommen. Und die Gewalt richtet sich zum größten Teil gegen Muslime selbst, wie im Irak und in Somalia.

SPIEGEL: George W. Bush ließ die Muslime der Welt seine Vorbehalte spüren. Im Irak und in Guantanamo haben Amerikaner Gefangene gedemütigt, auch ihre Religion verspottet. In Florida wird zur Koran-Verbrennung aufgerufen.

Abdel-Samad: Alles irgendwie richtig, was Sie sagen.

SPIEGEL: Bis heute prangert die islamische Welt mit einigem Recht an, dass ein auf Israel eingeschworenes Washington im Nahen Osten mit zweierlei Maß misst.

Abdel-Samad: All das ist aber keine Rechtfertigung für Gewalt.

SPIEGEL: Natürlich nicht. Aber warum verbinden Sie den Terror so ursächlich mit dem Islam? Warum führen Sie ihn nicht auf die elenden Lebensumstände zurück, auf die Chancenlosigkeit, die arabische Gewaltherrscher zu verantworten haben, oft enge Verbündete des Westens?

Abdel-Samad: Weil die Terroristen sich auf die Religion berufen. Und weil Armut nicht die Ursache von Terror ist.

SPIEGEL: Seltsam. Wir klagen nicht die Christenheit an, wenn nordirische Splittergruppen im Namen der Religion morden. Wir nehmen nicht das Judentum ins Gebet, wenn ein Terrorist in Hebron Dutzende Muslime in der Grabstätte Abrahams abschlachtet und sich dabei auf Jahwe beruft. Aber gerade beim Islam…

Abdel-Samad: … ist es anders. Weil die Gewalt sich mit der Kultur verbündet hat.

SPIEGEL: … behaupten Sie …

Abdel-Samad: … und sich die Täter überdurchschnittlich oft auf den Koran berufen. Deswegen brauchen wir dringend Häretiker, die tabulos und ketzerisch alles an dieser Religion in Frage stellen.

SPIEGEL: Sie tun so, als würde sich Ihre Religion nicht verändern. Das amerikanische Nachrichtenmagazin “Time” pries in einer Titelgeschichte “die sanfte Revolution des Islam”. Und die von Ihnen geforderten Reformer gibt es doch: den Iraner Abdolkarim Sorusch etwa, der viele Wege zur Glaubenswahrheit anerkennt, und den kürzlich verstorbenen Ägypter Nasr Hamid Abu Said.

Abdel-Samad: Abu Said habe ich gut gekannt und verehrt, Sie wissen, dass radikale Richter wegen seiner liberalen Ansichten die Zwangsscheidung von seiner Frau erwirkt haben und er aus Ägypten in die Niederlande fliehen musste. Aber solche Denker sind Ausnahmen. Die meisten sogenannten Islamreformer erinnern mich an das Salonorchester auf der “Titanic”, das bis zum Untergang weiterspielt, um den Passagieren die Illusion einer Normalität zu vermitteln. Grundsätzliche Probleme bleiben außen vor.

SPIEGEL: Und die wären?

Abdel-Samad: Den Koran selbst in Frage zu stellen. Debatten werden zwar derzeit angestoßen, aber nie zu Ende geführt – Reformer und Konservative sind nach wie vor vom heiligen Text besessen. Manchmal frage ich mich, wer heute noch den Koran braucht. Hat unser Glauben vielleicht einen Geburtsfehler? War er zu schnell zu erfolgreich und hat deshalb staatliche und militärische Aufgaben mit dem Religiösen vermischt? Wie konnte der Islam im Mittelalter eine solche Blüte erreichen, und warum ging anschließend fast alles schief?

SPIEGEL: Was bedeutet Ihnen der Koran?

Abdel-Samad: Ich greife immer noch oft nach ihm, das ist meine Erziehung, das ist meine Kindheit.

SPIEGEL: Erzählen Sie von Ihrer ägyptischen Heimat.

Abdel-Samad: Ich wurde geboren in einem kleinen Fellachendorf am Nil, als drittes von fünf Kindern. Mein Vater war der Imam und oberste Hüter des Glaubens dort, und er hat mir absichtlich einen besonders heiligen Namen gegeben: “der dankbare Sklave Gottes”. Ich konnte unter seiner Anleitung den Koran bald auswendig. Es war eine behütete Zeit – und doch erlebte ich öfter, wie mein Vater meine Mutter schlug, die sich dabei klaglos vor ihm hinkniete.

SPIEGEL: Warum tat er das?

Abdel-Samad: Weil er als Soldat im Sechs-Tage-Krieg vor den Israelis fliehen musste und dieses Erlebnis nicht verarbeiten konnte. Weil die meisten Männer im Dorf ihre Frauen schlugen. Weil es der Glaube nicht ausdrücklich verbot. Es war eben so.

SPIEGEL: Sie wurden als Kind missbraucht.

Abdel-Samad: Ich muss damals vier gewesen sein; vor Angst gelähmt, rezitierte ich stundenlang nachts den Koran. Mit elf Jahren wurde ich noch einmal missbraucht, diesmal von einer Horde junger Männer. Gemäß unserer Tradition war es undenkbar, meinen Vater oder sonst jemanden einzuweihen.

SPIEGEL: Sie machen den Islam für diese Taten mitverantwortlich?

Abdel-Samad: So wie er heute gelebt wird, ja. Unterdrückte Sexualität, Leben auf kleinstem Raum und in einer geschlossenen Gesellschaft, Autoritätshörigkeit waren ursächlich.

SPIEGEL: Genau die Phänomene, wie man sie aus katholischen Einrichtungen kennt.

Abdel-Samad: Mag sein. Mein Vater jedenfalls wollte, dass ich Islamwissenschaft studiere. Ich hatte mich für Englisch und Französisch entschieden, tagelang bereitete ich mich klopfenden Herzens auf die Auseinandersetzung vor. Er akzeptierte meinen Wunsch, voller Verzweiflung, wie mir schien. An der Uni in Kairo hatte ich einen ideologischen Flirt mit den Marxisten und mit der Muslimbruderschaft. Auf Demonstrationen rief ich antisemitische Sprüche. Weil alle es machten.

“Die westliche Freiheit war für mich zunächst ein Fluch”

SPIEGEL: Wie kamen Sie nach Deutschland?

Abdel-Samad: Ich wollte heraus aus der Enge. Ich hatte zwischendurch als Fremdenführer gejobbt und eine Deutsche kennengelernt, die mich einlud. Aber deswegen war ich meine Ängste, meine Orientierungslosigkeit noch längst nicht los. Als ich 1995 in Frankfurt am Flughafen vor dem Beamten stand, bildete ich mir ein, er zögere, den Eintrittsstempel in meinen Pass zu drücken. Ich glaubte in seinen Augen zu lesen: Aha, noch ein Kamelflüsterer, der von unserem Wohlstand profitieren will.

SPIEGEL: Sie haben sich schnell integriert?

Abdel-Samad: Ganz und gar nicht. Deutschland kam mir fremd vor, wie ein kompliziertes Gerät für das es keine Gebrauchsanweisung gibt. Ich heiratete schließlich meine 18 Jahre ältere Freundin, eine rebellische linke Lehrerin. Nicht aus Liebe. Sie hatte die Lohnsteuerklasse drei vor Augen, ich den deutschen Pass.

SPIEGEL: Dann war es ja ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.

Abdel-Samad: An sich schon. Nur war ich unvorbereitet auf die westliche Freiheit, sie war für mich zunächst ein Fluch, sie machte mich aggressiv. Ich begann ein Politikstudium in Augsburg. Verführungen überall, junge Frauen in der Mensa, das Bier in der Kneipe. Ich litt unter Schuldgefühlen, wenn ich zu viel von den Früchten des Westens genoss, die mein Glaube verbot. Ich fühlte mich gedemütigt, entwurzelt. Für kurze Zeit schloss ich mich einer Gruppe islamistischer Studenten an, suchte aus meiner Einsamkeit heraus die wohlige Gemeinschaft – andere sind so in die Fänge von Terroristen geraten. Ich nicht. Aber ich bekam Halluzinationen, Schweißausbrüche, Todesangst.

SPIEGEL: Hatten Sie professionelle Hilfe?

Abdel-Samad: Ja, ich unterzog mich einer stationären psychiatrischen Behandlung. Ich war dem Selbstmord nahe. Man überwies mich in eine geschlossene Abteilung, behandelte mich als Borderline-Persönlichkeit. Es war die Hölle, und die Hölle war auch in mir. Ich tat alles, um die Therapeuten davon zu überzeugen, dass ich draußen wieder zurechtkommen würde. Die Ärzte vertrauten mir. Nach meiner Entlassung machte ich mich auf zur nächsten Flucht – nach Japan, wo ich Japanisch lernte und mich mit fernöstlicher Spiritualität befasste. In Kyoto lernte ich dann die Liebe meines Lebens kennen, halb Dänin, halb Japanerin, die Frau, mit der ich heute verheiratet bin.

SPIEGEL: Kann es sein, dass Sie der Religion in Ihrem Leben eine zu große Rolle aufbürden, zu viel von ihr verlangen?

Abdel-Samad: Das müssen andere beurteilen. Ich habe mich rational mit dem Islam auseinandergesetzt und Kant und Spinoza gelesen. Ich habe mich mit der Aufklärung beschäftigt. Ich habe die Reformation studiert, die im Islam bis heute ausgeblieben ist.

SPIEGEL: Sie klagen die Muslime pauschal an, sich schnell gekränkt zu fühlen und dieses Beleidigtsein sogar zu genießen. Sie warfen europäischen Linksliberalen vor, gegenüber dem Islam eine “Appeasement-Politik” zu betreiben. Warum machen Sie als Wissenschaftler gelegentlich den Sarrazin – Lust an der Provokation? Gnadenlosigkeit des Konvertiten?

Abdel-Samad: Wenn man gehört werden will, muss man deutlich sagen, was man meint. Islam-Apologeten gibt es genug.

SPIEGEL: Der Trend geht doch hierzulande eher in die andere Richtung. Die Islam-Panikmacher dominieren die öffentliche Meinung. Auf Web-Seiten werden Muslime als “Ziegenficker” und “Schleierschlampen” niedergemacht, die Religion als “barbarisch”.

Abdel-Samad: Was so unterirdisch ist, dass ich es mit keinem Kommentar würdigen möchte.

SPIEGEL: Aber Islam-Bashing ist auch bei vielen deutschen Intellektuellen salonfähig geworden. Fühlen Sie sich wohl im Kreis der Islamophoben?

Abdel-Samad: Ich mag den Ausdruck nicht. Eine Phobie hat, wer Hirngespinste hegt. Die Gefahr durch Islamisten aber ist real, die mangelnde Integrationswilligkeit vieler Muslime in Deutschland ein ernstes Problem. Wenn andere Kritiker übertreiben und verbal aus dem Ruder laufen, kann das nicht mein Problem sein. Ich spreche nur für mich.

SPIEGEL: Der Historiker Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, sieht zwischen antisemitischen Hetzern und extremen “Islamkritikern” Parallelen. Sie arbeiteten mit ähnlichen Mitteln an ihrem Feindbild, mit instrumentalisierten Zerrbildern, mit Hysterie. Ist da nichts dran?

Abdel-Samad: Man kann alles mit allem vergleichen. Ich sehe keinen Zusammenhang.

SPIEGEL: Sie sind dabei, zum Vorzeige-Muslim der konservativen Politiker in Deutschland zu werden.

Abdel-Samad: Wie kommen Sie darauf?

SPIEGEL: Der Bundesinnenminister hat Sie in die Deutsche Islam Konferenz berufen.

Abdel-Samad: Das ist alles? Ja, ich war jetzt bei drei Sitzungen dabei und finde das ein interessantes Gremium, in dem Muslime unterschiedlichster Prägung zivil und streitbar miteinander umgehen. Ein Pluspunkt für Deutschland.

SPIEGEL: Sie werfen Ihren Glaubensbrüdern vor, immer nur nach Sündenböcken zu suchen.

Abdel-Samad: Ja, anstatt bei sich selbst nach Fehlern zu forschen. Vielleicht ist der Prozess, den ich durchlebt habe, der Prozess, den der Islam insgesamt braucht: dass sich jeder selbstkritisch betrachtet und aufhört, immer andere für seine Misere verantwortlich zu machen, sich als Opfer zu fühlen. Dass er sich befreit von Zwängen. Denn Verbitterung und Schuldzuschreibung führen zu Gewalt, und davon haben wir genug auf der Welt.

SPIEGEL: Herr Abdel-Samad, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte der Redakteur Erich Follath

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