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Der mekkanische Koran: Eine Themenanalyse

Posted by paulipoldie on August 23, 2009

http://www.korrektheiten.com/2008/07/27/der-mekkanische-koran-eine-themenanalyse/

Die Bedeutung des Korans für die islamische Zivilisation

Wer vom Islam spricht, muss vom Koran sprechen. Das klingt banal, hat aber weitreichende Implikationen. Viele Westler, die gern von sich auf Andere schließen, glauben ja, der Koran sei im Wesentlichen der Bibel vergleichbar, und dies sowohl im Hinblick auf seine theologisch-moralischen Intentionen als auch auf seine gesellschaftliche Bedeutung.

Sie nehmen ihr eigener Christentum nicht so furchtbar ernst und tendieren zu der Auffassung, ihre eigenen politischen und sozialethischen Vorstellungen entsprängen vor allem vernünftiger Überlegung. Dass sie von christlichen Werten und Wertungen durchtränkt sein könnten, würden solche Menschen weit von sich weisen. Dementsprechend glauben sie, dass Muslime nicht wesentlich anders denken als sie selbst. Schließlich gehören auch Muslime der Gattung Homo sapiens an, sind also vernunftbegabte Menschen.

Sie werden sich daher nach ihrer Vernunft und ihren Interessen richten, nicht etwa nach einem 1400 Jahre alten Text, den viele von ihnen zudem – mangels Arabischkenntnissen – allenfalls bruchstückhaft kennen, und sich im Falle von Meinungsverschiedenheiten rationalen Argumenten nicht verschließen. Unglücklicherweise liegt dieser Auffassung unser westliches Verständnis von Begriffen wie “rational” und “Interesse” zugrunde. Rational ist für uns ein Argument dann, wenn es nicht auf religiösen Prämissen fußt, ein Interesse haben wir an Allem, was uns ein besseres Leben verschafft. Der Hinweis, dass Muslime diese Annahmen umso weniger teilen, je frommer sie sind, wird von westlichen Liberalen oft als islamophob bzw. rassistisch abgetan – so als würde Muslimen damit die Fähigkeit zur Vernunft schlechthin abgesprochen. Tatsächlich ist davon aber gar nicht die Rede: Wer den Islam für die einzig wahre Religion hält, wer gar glaubt, der Tod im Kampf gegen die Ungläubigen sei der sicherste Weg ins Paradies, handelt keineswegs irrational, wenn er andere Religionen bekämpft und dabei auch den eigenen Tod in Kauf nimmt. Der Islam als solcher mag irrational sein – bis zu einem gewissen Grade ist das jede Religion -, seine Anhänger sind es normalerweise nicht.

Überhaupt ist Vernunft ein höchst subjektiver Begriff: Vernünftig ist im Zweifel immer das, woran man selber glaubt. Muslime glauben aber an etwas Anderes als Christen. Sie glauben vielleicht an denselben Gott. Aber schwerlich an den gleichen.

Wer die Bedeutung des Korans angemessen beurteilen will, sollte sich eines klarmachen: Für Muslime ist Gott der Autor des Korans, nicht etwa dessen Thema (in dem Sinne, wie er Thema der Bibel ist.) Der Koran ist die Grundlage der islamischen Zivilisation und in einer Weise sozial verbindlich, wie es die Bibel niemals war, nicht einmal im Mittelalter, und er ist die Basis des gesamten dort vorherrschenden Weltverständnisses. Nahezu jeder Muslim, den man danach fragt – und nicht etwa nur Extremisten und Fanatiker, sondern auch solche Muslime, die Allah gerne mal einen guten Mann sein lassen -, wird die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Korans als des Wortes Gottes bekräftigen.

Der Islam ist weitaus mehr als bloß eine Religion, die sich mit den Letzten Dingen befasst und sich als Privatsache behandeln ließe, er ist ein umfassendes soziales System, und zwar seinem Selbstverständnis nach, nicht nur aus der Sicht seiner Kritiker. Man versteht dieses System nicht, wenn man den Koran als Sammlung von frommen Sprüchen aus längst vergangener Zeit auffasst. Der Koran ist aktuell, solange der Islam existiert, und Mohammed, der ihn verkündete, ist nicht eine historische Figur wie Karl der Große: Er ist für eineinhalb Milliarden Muslime weltweit der Inbegriff des vorbildlichen Menschen. Und damit unser Zeitgenosse. Die Entstehung des Korans ist mit der Biographie des Propheten so eng verknüpft, dass er unabhängig von dieser nicht zu verstehen ist.

Die Biographie des Propheten Mohammed und die Entstehung des Korans

Mohammeds Leben gliedert sich in drei deutlich unterscheidbare Phasen: Bis zu seinem religiösen Erweckungserlebnis im Jahre 610 christlicher Zeitrechnung lebte er als Kaufmann und Karawanenführer in Mekka. Zu dieser Zeit lebten auf der arabischen Halbinsel sowohl Polytheisten –also Anhänger der altarabischen Stammesreligionen – als auch Christen und Juden, letztere in Form ganzer Stämme. Es gilt als wahrscheinlich, dass Mohammed sich im Gespräch mit ihnen Kenntnisse der Bibel aneignete, wenn auch nur oberflächliche.

Von 610 bis 622 predigte er in Mekka das, was ihm in ekstatischen Visionen eingegeben worden war; Mohammed hatte keinen Zweifel daran, dass diese Visionen unmittelbar von Gott stammten. Seine Anhängerschaft beschränkte sich in den ersten drei Jahren auf den allerengsten Familienkreis, bevor er den Schritt an die Öffentlichkeit wagte. In der Folgezeit sammelte er eine kleine, langsam aber stetig wachsende Schar von Jüngern um sich, die seine Offenbarungen memorierten, vielfach auch schon schriftlich aufzeichneten.

(Die Sammlung dieser Offenbarungen kennen wir heute als den Koran. An dieser Stelle scheint es angebracht, die hier verwendete Terminologie zu erläutern: Wenn ich hier von „Offenbarungen“ spreche, so treffe ich damit keine Aussage darüber, ob diese Offenbarungen tatsächlich von Gott stammen; ich lehne mich einfach der Bequemlichkeit halber an die islamische Begrifflichkeit an. Entsprechendes gilt für den Begriff „Prophet“. Das Wort „Allah“ kommt von Al-Ilah – der Gott schlechthin – und kann grundsätzlich synonym für „Gott“ verwendet werden; im vorliegenden Buch gebrauche ich das Wort „Allah“ normalerweise dort, wo es zu unterstreichen gilt, dass hier spezifisch islamische Vorstellungen referiert werden.)

Man kann sich die Skepsis und den Spott der Mekkaner leicht ausmalen: Bis dahin hatten sie Mohammed als nüchternen und erfolgreichen Kaufmann gekannt, nun wollte er quasi von heute auf morgen ein Prophet geworden sein, ein Gesandter Gottes! Nicht genug damit, dass er flammende Predigten hielt: Er wollte diese Predigten auch noch als Allahs eigenes Wort verstanden wissen!

Mohammed geriet schnell in den Ruf eines leicht verrückten Sektengurus, wenn nicht eines Scharlatans, und musste Hohn und Beleidigungen über sich ergehen lassen.

(Einem Hadith zufolge, das ist eine Überlieferung aus dem Leben des Propheten, fanden sich beispielsweise eines Tages einige Spaßvögel, die ihm die Nachgeburt einer Kamelstute zwischen die Schulterblätter legten, als er zum Gebet niedergeworfen war.)

Je mehr aber seine Gemeinde wuchs, desto mehr avancierte er vom belächelten Eiferer zur öffentlichen Gefahr, jedenfalls in den Augen des mekkanischen Establishments. Sein strikter Monotheismus war nämlich ausgesprochen geschäftsschädigend: Mekka verdiente viel Geld mit dem Pilgertourismus zur Kaaba, die damals noch ein heidnisches Heiligtum war. Da konnte man keinen Propheten gebrauchen, der den frommen Pilgern die Wallfahrt verdarb indem er ihre fröhliche Vielgötterei als teuflischen Aberglauben geißelte.

Die Anfeindungen gegen Mohammed nahmen an Aggressivität zu. Der islamischen Überlieferung zufolge gipfelten schließlich in Mordanschlägen, die allerdings scheiterten. Die junge Sekte – es dürften kaum mehr als hundert Personen gewesen sein – sah sich zur Flucht nach Yathrib, dem späteren Medina, genötigt. Man schrieb das Jahr 622.

Diese Hidjra (=Auswanderung), mit der die dritte und letzte Phase im Leben Mohammeds beginnt, ist die eigentliche Stunde Null des Islam, und erst mit ihr setzt folgerichtig auch der islamische Kalender ein. In Mekka nämlich konstituiert sich der Islam als politisches Gemeinwesen.

Nun wird aus dem Religionsstifter ein Politiker, der mit seinen Gegnern und denen des neuen Glaubens kurzen Prozess macht. Etwa mit den jüdischen Stämmen Medinas, deren Rabbiner ihn wegen seiner mangelhaften Bibelkenntnisse verhöhnen: Die einen werden vertrieben, die anderen ausgerottet.

Der Prophet hat es jetzt nämlich nicht mehr nötig, sich verspotten zu lassen: Wer das jetzt tut, stirbt. (Und besagter Hadith vermerkt voll Genugtuung, dass Abu Djahl und die fünf anderen Witzbolde – das sind die mit der Nachgeburt – in der Schlacht bei Badr im Jahre 624 ums Leben kamen.) In den zehn Jahren bis zu seinem Tode 632 führt der Prophet nicht weniger als 27 Feldzüge, in deren Verlauf nicht nur Mekka zurückerobert (und die Kaaba „gereinigt“, d.h. Allah geweiht), sondern die gesamte arabische Halbinsel unterworfen wird. Und auch in dieser dritten, der medinensischen Phase empfängt der Prophet Offenbarungen, die aufbewahrt und später im Koran kanonisiert werden.

Themenanalyse

Leider sind die 114 Suren des Korans weder chronologisch noch thematisch geordnet: Nach der ersten kurzen Sure „Al-Fatiha“ (die Eröffnende), die man oft mit dem Vaterunser verglichen hat, folgt mit Sure 2 („Al-Baqara“ – die Kuh) die längste Sure, während die nachfolgenden der Tendenz nach immer kürzer werden (aber eben nur der Tendenz nach; es handelt sich nicht etwa um ein konsequent durchgehaltenes Ordnungsprinzip).

Zwar ist für jede Sure angegeben, ob sie in Mekka (90 Suren) oder in Medina (24 Suren) offenbart wurde, im Übrigen aber hatte die Koranforschung einige Mühe, die ursprüngliche Reihenfolge der Offenbarungen zu rekonstruieren: Die islamische Überlieferung lieferte zwar wichtige Anhaltspunkte, erwies sich aber als nicht völlig zuverlässig.

Verlässt man sich auf die Chronologie des bedeutenden deutschen Koranforschers Theodor Nöldeke (1836-1930), die in der Wissenschaft als Standard gilt und liest die einzelnen Suren in dieser Reihenfolge – immer mit dem historischen Kontext im Kopf -, so erlebt man fasziniert, wie zuerst die psychische, dann die politische Biographie des Propheten sich als islamische Theologie entfaltet. Weniger geschwollen formuliert: wie er zuerst aus seinen persönlichen Neurosen, dann aus den Imperativen seiner Machtpolitik eine Religion macht.

Üblicherweise arten Diskussionen über islamische Glaubensinhalte in quasi scholastische Zitatenschlachten aus, bei denen sowohl Kritiker als auch Verteidiger des Islam mit den immer gleichen, aus dem Zusammenhang gerissenen Koranzitaten argumentieren, und ich glaube nicht, dass man beide Hände braucht, um diese Zitate an den Fingern abzuzählen. Der Eindruck, der dabei beim Publikum zwangsläufig entstehen muss, ist der, dass man den Koran offenbar so oder so auslegen könne, und dass es – ähnlich wie im Christentum – neben den fundamentalistischen auch liberale Auslegungsmöglichkeiten gebe.

Bis zu einem gewissen Grade ist dies auch der Fall. Das Verschleierungsgebot zum Beispiel lässt vom locker gebundenen Kopftuch über den Tschador und den Gesichtsschleier bis hin zur Burka einen gewissen Auslegungsspielraum, und es gibt sogar besonders kühne islamische Exegeten, die der Meinung sind, die entsprechende Vorschrift enthalte bloß das Verbot besonders aufreizender Kleidung. Mit unseren westlichen Vorstellungen von Liberalität hat aber auch die liberalste Auslegung insofern nichts zu tun, als auch diese darauf beharren muss, dass es hier überhaupt etwas auszulegen gibt; dass also die angemessene Kleidung für Frauen nicht in deren Gutdünken steht, sondern gottgefällig zu sein hat.

Solchen impliziten Wertvorstellungen kommt man auf die Spur, wenn man nicht die einzelnen Aussagen des Korans analysiert, also Exegese im herkömmlichen Sinne treibt, sondern sich fragt, welche Themen im Koran eine Rolle spielen, wie diese Themen rein quantitativ gewichtet werden, und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. (Das Wort „Thema“ wird hier übrigens im erweiterten Sinne verstanden und bezeichnet sowohl den Gegenstand koranischer Aussagen als auch die Leitideen, mit denen der jeweilige Gegenstand behandelt wird.)

Man erkennt dann, welche Bereiche des menschlichen Lebens wie intensiv religiös besetzt werden, welche Gedanken zentral und welche peripher sind, wie die koranische Theologie strukturiert ist, und welche Annahmen ihr implizit, und das heißt: unausgesprochen, zugrundeliegen:

Wenn beispielsweise einerseits nur wenige Verse sich respektvoll gegenüber Andersgläubigen äußern, andererseits aber die „Ungläubigen“ Hunderte von Malen wüst verflucht werden, und zwar nach islamischem Glauben von Allah selbst, dann legt zumindest der Tenor eines solchen Textes nahe, dass Intoleranz gottgefällig sei.

Oder wenn „Allah“ eine ganze Sure (Nr.8  ) der Verteilung der Beute aus Raub- und Kriegszügen widmet, so bedeutet dies implizit, dass solche Züge nicht verwerflich seien, jedenfalls vom religiösen Standpunkt nicht a priori.

Mithilfe dieser Themenanalyse lässt sich das Grundgerüst der islamischen Religion erarbeiten, das heißt diejenigen, zum Teil unausgesprochenen, Leitideen identifizieren, ohne die das islamische Gedankengebäude in sich zusammenstürzen müsste, und wir werden untersuchen, welche Konsequenzen es haben muss, wenn gerade diese Ideen von einer Gesellschaft als kulturelle Selbstverständlichkeiten verinnerlicht werden.

Dabei werde ich der Tatsache Rechnung tragen, dass der Mohammed der medinensischen Zeit als politischer und militärischer Führer in einer anderen Situation lebte als in Mekka, wo er lediglich religiöse Autorität ausgeübt hatte, und auch die nur gegenüber seinen Anhängern.

In den medinensischen Suren bilden daher die Themen Krieg, Zivilrecht, überhaupt weltliche Gesetzgebung, und die Beziehungen zu anderen Religionen einen deutlichen Schwerpunkt, der in den Suren aus der mekkanischen Periode naturgemäß allenfalls am Rande, wenn überhaupt, vorkommt.

Da die besonders skandalösen Koranzitate, insbesondere die, in denen zum bewaffneten Kampf gegen die „Ungläubigen“ und zu ihrer Unterdrückung aufgerufen wird, fast alle aus der medinensischen Zeit stammen, haben findige Islamapologeten, aber auch ernsthafte Reformer, die Denkfigur entwickelt, solche Verse stellten bloß eine Anpassung des Propheten an die damals aktuelle politische Situation dar. Mit dem „eigentlichen Islam“, sprich dessen theologischem Kern hätten sie aber nichts zu tun.

Es gibt nicht viele islamische Theologen (aber immerhin: Es gibt sie.), die sich an einem „Reform-Islam“ versuchen. Deren Anstrengungen laufen darauf hinaus, den Koran historisch-kritisch zu lesen und den dauerhaften (als moralisch-spirituell gedachten) „Kern“ der islamischen Lehre vom scheinbar historisch Relativen zu trennen, um dadurch den Djihad aus dem Islam herauszudefinieren.

Demgegenüber vertrete ich die These, dass die militante Feindseligkeit gegen Andersgläubige, überhaupt der antiaufklärerische, intolerante und demokratiefeindliche Charakter des Islam in dessen theologischer Tiefenstruktur verankert ist, ja dass man den Islam am besten versteht, wenn man ihn als ein Djihad-System interpretiert; dass wir es hier also nicht mit einem religiösen Kern zu tun haben, der sich von „zufällig“ hineingeratenen politischen Postulaten trennen ließe; und dass die stark politische Akzentsetzung der medinensischen Suren völlig konsistent mit den bereits in Mekka entwickelten theologischen Prämissen ist. Einen politisch korrekten, toleranten und demokratischen „Reform-Islam“ oder „Euro-Islam“ kann es nach dieser Auffassung zwar geben: als individuelle Rechtfertigungsideologie für solche Muslime, die mit dem Islam nicht direkt brechen, aber ihre eigene westliche Lebensweise subjektiv legitimieren wollen. Er wäre aber in sich so inkonsistent, dass er nicht die Chance hätte, zur Mehrheitsoption innerhalb muslimischer Gesellschaften – oder auch Parallelgesellschaften – zu werden.

Falls diese Auffassung zutrifft, müssten sich die problematischen Seiten des Islam bereits in den mekkanischen Suren zeigen. Aus diesem Grunde sehe ich von den medinensischen Suren völlig ab und konzentriere mich voll und ganz auf den angeblich so friedlichen und spirituell geprägten mekkanischen Koran. (Zitate im Folgenden nach der Übersetzung von Max Henning)

Der mekkanische Koran

Es sind relativ wenige Themen, die im Koran eine zentrale Rolle spielen. Da der Prophet durch häufige, oft wortgleiche Wiederholungen deutlich macht, welche Themen zentral sind und welche nicht, lassen sich die thematischen Schwerpunkte leicht identifizieren:

Einheit Gottes, Polemik gegen Christen und Juden

Die Einheit Gottes und das Verbot, ihm „etwas zur Seite zu stellen“, ist für einen in heidnischer Umgebung predigenden Propheten naturgemäß ein wichtiges Thema. Zu beachten ist, dass diese Predigt sich nicht nur gegen den eigentlichen Polytheismus richtet, sondern gegen alles, was die Einzigkeit Gottes auch nur irgendwie relativieren könnte. Allah hat also nicht nur keine Töchter, wie zum Beispiel in Sure 53 gegen die Mekkaner hervorgehoben wird, er hat auch keinen Sohn. – ein Gedanke, der in der Polemik gegen das Christentum eine wichtige Rolle spielt.

Allmacht und Allwissenheit Allahs, Prädestination

Zu den Leitmotiven der koranischen Theologie gehört der Satz „Allah leitet recht, wen er will, und führt in die Irre, wen er will“. Er enthält die Ablehnung der menschlichen Willensfreiheit. Allah hat bereits beschlossen, wen er in Paradies bzw. Hölle führen will; der Islam verficht das Konzept der strengen Prädestination. Diese Lehre gab bzw. gibt es zwar auch unter christlichen Theologen, z.B. bei Calvin, etwas milder auch bei Luther, war aber dort stets stark umstritten, während sie im Islam zu den unangefochtenen Dogmen gehört.

Es ist dies die zwingende Konsequenz aus dem koranischen Menschenbild; der Gedanke, der Mensch sei Gottes Ebenbild – und daher mit einem freien Willen begabt -, ist dem Islam fremd. Nichts, absolut gar nichts, darf die Allmacht Allahs in Frage stellen. Der Mensch ist Geschöpf und sonst gar nichts. Er tut, was er tut, auf Geheiß Allahs – auch das Böse. Bestraft wird er trotzdem.

Lohn für die Gläubigen, Strafe für die Ungläubigen

Dass die Gläubigen (spätestens) im Paradies belohnt, die Ungläubigen aber (spätestens) in der Hölle bestraft werden, ist eines der Hauptthemen, wenn nicht gar das Hauptthema des Korans. Es gibt nur ganz wenige Suren, in denen dieser Gedanke nicht einen Schwerpunkt bildet, und fast keine, in der er völlig fehlt. Einige Beispiele:

Bereits Sure 96, die als erste offenbart wurde, droht einem „Ungläubigen“, der Mohammed am Beten hindern wollte und ihn „der Lüge zieh“ (V.13) mit dem Höllenfeuer (V. 6-19). Man vermutet, dass Mohammed eine konkrete Einzelperson im Auge hatte – vielleicht denselben Abu Djahl, den wir schon aus der Geschichte mit der Nachgeburt kennen, jedenfalls einen wohlhabenden („Wenn er sich in Reichtum sieht…“ V.7), wahrscheinlich mächtigen („So rufe er seine Schar“, V.17) Mann, dem gegenüber sich Mohammed aber mit Allah im Rücken in der stärkeren Position weiß („Wir werden die Höllenwache rufen“, V.18).

In der nächsten Sure (74; Manche vermuten, dass sie, und nicht Sure 96, als erste offenbart worden sei) geht es wieder um einen konkreten Einzelnen, der sich Allah gegenüber undankbar zeigt („dem ich reiches Gut verlieh“, S. 12) und – dies vor allem – Mohammeds Predigt ablehnt („…er ist widerspenstig gegen Unsere Zeichen“, V.16) und an seine Sendung nicht glaubt („Und sprach: ‚Das ist nur eine Zaubergeschichte/Das ist nur Menschenwort’“, Vers 24 f.). Jetzt wird die Strafe schon konkreter:

(26) Brennen will ich ihn lassen im Höllenfeuer.

(27) Und was lehrt dich, was das Höllenfeuer?

(28  ) Nicht lässt es übrig und nicht verschont es,

(29) Schwärzend das Fleisch.“

Die nächste Sure 111 gilt Mohammeds Onkel Abu Lahab und seiner Frau, die beide nicht an Mohammeds göttliche Sendung glauben. Was ihnen droht? Wir ahnen es bereits:

(1) Verderben über die Hände Abu Lahabs und Verderben über ihn!

(2) Nicht soll ihm nützen sein Gut und sein Gewinn.

(3) Brennen soll er im Feuer, im lohenden,

(4) Während sein Weib das Holz trägt,

(5) Mit einem Strick von Palmenfasern um ihren Hals.“

(Wohlgemerkt: Nach islamischer Auffassung stammt dieser Fluch von Allah, also von Gott selbst, nicht etwa von einem psychisch gestörten Menschen, der eine narzisstische Kränkung nicht anders zu verarbeiten wüsste als durch exzessive Racheschwüre.)

In den meisten Fällen werden die Strafe der Ungläubigen und der Lohn für die Gläubigen im selben Zusammenhang behandelt und einander gegenübergestellt. Sehr gerne wird der Prophet auch ein wenig konkreter, zum Beispiel in Sure 88:

(2) Die einen Gesichter werden an jenem Tage [des Jüngsten Gerichts, M.] niedergeschlagen sein,

(3) Sich abarbeitend und plagend,

(4) Brennend an glühendem Feuer,

(5) Getränkt aus einer siedenden Quelle.

(6) Keine Speise sollen sie erhalten außer vom Dariastrauch,

(7) Der nicht fett macht und den Hunger nicht stillt,

(8  ) Die andern Gesichter werden an jenem Tage fröhlich sein,

(9) Zufrieden mit ihrer Mühe (auf Erden),

(10) In hohem Garten,

(11) In dem sie kein Geschwätz hören,

(12) In ihm ist eine strömende Quelle,

(13) In ihm sind erhöhte Polster

(14) Und hingestellte Becher

(15) Und aufgereihte Kissen

(16) Und ausgebreitete Teppiche.“

Oder Sure 42:

(16) Vor ihm liegt Dschahannam [die Hölle, M.], und getränkt soll er werden mit Eiterfluss.

(17) Er soll ihn hinunterschlucken und kaum unter die Gurgel bringen, und kommen soll der Tod zu ihm von allen Seiten, ohne dass er sterben könnte; und vor ihm ist harte Strafe.“

(Unter uns: Kann man sich vorstellen, dass einer, der so etwas schreibt, noch alle Tassen im Schrank hat?)

Straflegenden und biblisches Material

Dass die Strafe Allahs aber keine rein jenseitige Angelegenheit zu sein braucht, sondern auch im Diesseits beginnen kann, zeigt der Prophet mithilfe der Straflegenden, eines in vielen Suren vorkommenden Motivs. Zwei Beispiele:

Aus Sure 91:

(11) Der Lüge zieh Thamud (ihren Gesandten) in ihrem Frevelmut,

(12) Als sich der elendeste Wicht unter ihnen erhob

(13) Und der Gesandte Allahs zu ihnen sprach: ‚(Dies ist) die Kamelin Allahs und ihre Tränke.’

(14) Sie aber ziehen ihn der Lüge und zerschnitten ihr die Flechsen, und so vertilgte sie ihr Herr ob ihrer Sünde und verfuhr gegen alle gleich.

(15) Und er fürchtet nicht die Folgen davon.“

Das altarabische Volk der Thamud wies also die Botschaft eines Gottesgesandten als Lüge zurück und wurde deswegen von Allah vernichtet. Hier erreicht der Koran in doppelter Hinsicht eine neue Qualität: einmal, indem Allahs Rache nun auch im Diesseits vollstreckt werden kann – bisher war sie ja in der Hölle angesiedelt -, zum anderen, indem erstmals nicht Einzelpersonen, auch nicht eine Vielzahl davon, sondern ein ganzes Kollektiv der Rache Allahs zum Opfer fällt.

Bearbeitet der Koran in Sure 91 eine altarabische Überlieferung so liefert Sure 71 ein Beispiel für eine Straflegende, die auf biblisches Material zurückgreift: Hauptperson ist Noah, der seinem Volk die Botschaft von dem einen Gott und dem Jüngsten Gericht predigt; das Volk weist die Sure zurück und wird bestraft.

(25) Wegen ihrer Sünden wurden sie ersäuft und ins Feuer geführt, und sie fanden keine Helfer wider Allah.

(26) Und es sprach Noah: Mein Herr, lass keinen der Ungläubigen auf Erden,

(27) Siehe, wenn Du sie übriglässest, so werden sie Deine Diener irreführen und werden nur Sünder und Ungläubige zeugen.

(28  ) Mein Herr, verzeihe mir und meinen Eltern und jedem Gläubigen, der mein Haus betritt, und den gläubigen Männern und Frauen. Und mehre allein der Ungerechten Verderben.

(Diese Verse aus Sure 71 stellen ein beredtes und typisches Beispiel für den Geist menschenverachtender Bösartigkeit dar, der aus fast jeder Sure tropft; sie sind nicht etwa eine Ausnahme, die ich zum Zwecke der Polemik herausgepickt hätte. Wie abgestumpft muss eigentlich jemand sein, der einen solchen Text liest, ohne zu bemerken, dass dessen Tenor in einer Weise menschen- und lebensfeindlich ist, die jeder humanen Interpretation hohnspricht?)

Die Straflegende arbeitet immer mit demselben stereotypen Plot: Ein Gesandter Gottes kommt zu seinem Volk, verkündet die Botschaft von dem einen Schöpfergott und warnt vor dem Jüngsten Gericht; das Volk weist die Botschaft zurück und wird von Allah bestraft. Es geht also darum, historische – oder für historisch gehaltene – Begebenheiten zu zitieren, um zu zeigen, dass Allah Völker vernichtet, die seine Botschaften zurückweisen. Es ist unverkennbar, dass Mohammed, insbesondere indem er biblische Gestalten als seine eigenen Vorläufer deutet, hier das vorhandene biblische und außerbiblische Material konsequent nach einem Schema frisiert, das auf niemand anderen hindeuten soll als auf ihn selbst. Die Moral von der Geschicht’: Wer Mohammed ablehnt, spielt mit seinem Leben – und mit dem seines Volkes.

Überhaupt bedient sich Mohammed oft und gerne der biblischen Überlieferung – der er freilich stets einen besonderen Dreh gibt. Die Bibel liefert ihm nicht nur den Rohstoff für Straflegenden, sondern auch zur islamischen Umdeutung christlicher und jüdischer Überlieferungen. Die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies zum Beispiel, nacherzählt in Sure 20, enthält eine Pointe, die mit dem Buch Genesis wenig zu tun hat, aber wunderbar in die Konzeption des Korans passt:

(123) Er sprach: ‚Hinfort von hier allzumal, einer des anderen Feind! Und wenn von Mir Leitung zu euch kommt, wer dann meiner Leitung folgt, der soll nicht irregehen und nicht elend werden.

(124) Wer sich aber von meiner Ermahnung abkehrt, siehe, dem sei ein Leben in Drangsal, und erwecken wollen wir ihn am Tage der Auferstehung blind.’

(125) Sprechen wird er: ‚mein Herr, warum erwecktest Du mich blind, wo ich doch sehend war?’

(126) Sprechen wird er: ‚Also sei’s! Zu dir kamen Unsre Zeichen, und du vergaßest sie, und also bist du heute vergessen.’“

An die Vertreibung aus dem Paradies knüpft der Koran also keine Erbsündenlehre, die alle Menschen betrifft, sondern die Lehre von der Spaltung der Menschheit in Allahs Anhänger und seine Gegner, sprich: in Gläubige und Ungläubige.

Anfechtung des Propheten

Mohammed wurde, wie schon erwähnt, häufig angefeindet, und dementsprechend oft geht der Koran direkt auf diese Anfeindungen ein, um sie zurückzuweisen. Die vier Argumentationsstrategien, deren er sich zur Untermauerung seines prophetischen Anspruchs bedient, sind: der Gottesbeweis durch die Vollkommenheit der Schöpfung, die Vollkommenheit des Korans, die Drohung mit der Strafe Allahs und die Behauptung, seine Kritiker seien bloß verstockt und von Allah mit Blindheit geschlagen. Es handelt sich also um vier der koranischen Hauptthemen, diesmal ins Polemische gewendet.

Materialismuskritik

Hierfür seien exemplarisch die Suren 102 und 107 aufgeführt:

In Sure 107 ist von den Ungläubigen die Rede (von dem, „der das Gericht leugnet“, V.1), die ihre sozialen Pflichten vernachlässigen („Er ist’s, der die Waise verstößt/Und nicht antreibt zur Speisung der Armen“, V.3f.) und die Mohammed den laueren unter seinen Sympathisanten als negatives Beispiel hinstellt. Sure 102: Warnung vor der Habgier, und die Drohung: „Wahrlich, sehen werdet ihr den Höllenpfuhl.“ (Vers 6).

Die koranische Materialismuskritik hat grundsätzlich zwei Ausrichtungen, wie sie uns in den Suren 107 und 102 exemplarisch begegnet sind: eine auf den Mitmenschen (Sure 107), eine auf das Jenseits (Sure 102) hin. Die Ausrichtung auf den Mitmenschen steht allerdings von vornherein im Dienste der Unterwerfung unter Allah und wird im Verlauf der Offenbarungen an Bedeutung verlieren. Mehr und mehr drängt sich die Ausrichtung am Jenseits – sprich die Angst vor der Hölle und die Hoffnung auf das Paradies – in den Vordergrund.

Selbstbeglaubigung des Korans

In den meisten Suren, und zwar in der Regel wird schon in den ersten Zeilen, bekräftigt der Koran, dass er direkt von Gott stamme, etwa in Sure 32:

(2) Die Hinabsendung des Buches ist ohne Zweifel von dem Herrn der Welten.

(3) Sprechen sie da: ‚Er hat es erdichtet?’ Doch es ist die Wahrheit von deinem Herrn, auf dass du warnest ei Volk, zu dem vor dir kein Warner kam …“

Oder Sure 11:

(1) … Ein Buch, dessen Verse wohl gefügt, alsdann erklärt sind, von einem Weisen, einem Kundigen,

(2) … Siehe, ich bin zu euch von Ihm (entsandt) als ein Warner und Freudenverkünder.“

Zweifel (siehe auch „Anfechtung des Propheten“) versucht Mohammed gerne mit dem Hinweis auf die Vollkommenheit des Korans zu zerstreuen. Immer noch Sure 11:

(13) Oder sie sprechen: ‚Er hat ihn ersonnen. ’Sprich: ‚So bringt zehn gleiche Suren her, (von euch) erdichtet, und rufet an, wen ihr vermögt, außer Allah, so ihr wahrhaft seid.’“

Weitere Themen

Was, so wird mancher Leser fragen, ist mit Allahs „Barmherzigkeit“, die in der Präambel („Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen!“) zu (fast) allen Suren beschworen und sehr häufig als Attribut Allahs genannt wird? Muss man die nicht auch als ein Hauptthema des Korans werten, gerade wenn man, wie ich, die Bedeutung eines Themas quantitativ bestimmt?

In der Tat, das müsste man – wenn diese Beschwörung inhaltlich konkretisiert und nicht mit jeder Sure aufs Neue dementiert würde. Nur stellt sich bei genauem Hinsehen heraus, dass diese Barmherzigkeit die Gegenleistung Allahs für die Unterwerfung unter seinen Willen ist. Insofern ist die „Barmherzigkeit“ Allahs nur ein anderer Ausdruck für „Lohn für die Gläubigen“ und gehört deshalb in diesen Themenkreis.

Implikationen des mekkanischen Korans

Eine primitive Religion

Halten wir nun einen Moment inne, um die Theologie des mekkanischen Korans zu rekapitulieren:

(1) Es gibt keinen Gott neben Allah, dem allmächtigen und allwissenden Schöpfer; sein Wort ist der Koran, sein Prophet Mohammed.

(2) Die an (1) glauben, werden (spätestens) im Paradies belohnt.

(3) Alle Anderen werden (spätestens) in der Hölle bestraft.

Und weiter?

Nichts weiter. Das ist alles. Praktisch jede einzelne koranische Aussage lässt sich unter einen dieser drei Punkte subsumieren. Was immer die Verdienste des Korans um die arabische Sprache sein mögen: Theologisch ist er so seicht, dass man ihn, wenn er eine Pfütze wäre, durchschreiten könnte, ohne sich mehr als höchstens die Schuhsohlen nass zu machen.

Es handelt sich um diejenigen Teile der christlich-jüdischen Theologie, die Mohammed verstanden und deshalb mit der Selbstgewissheit des halbgebildeten Doktrinärs für die “wahre” Religion gehalten hat. Alles, was darüber hinausgeht – in koranischer Sprache: “das, worüber Ihr uneins seid” – konnte nach seinem Verständnis nur künstliche Verwirrung und Aufbauschung einfacher Wahrheiten, konnte nur Spitzfindigkeit und Sektiererei sein.

Muslime legen großen Wert auf die Feststellung, dass Mohammed Analphabet gewesen sei. (Damit wollen sie beweisen, dass er nicht den Koran verfasst haben könne, dieser also ob seiner sprachlichen Vollkommenheit von Gott selbst stammen müsse. Nun ja – Homer, der Schöpfer der „Ilias“, des frühesten Meisterwerks abendländischer Literatur, war vermutlich ebenfalls Analphabet. Sollten wir deshalb annehmen, dass die „Ilias“ von Gott stammt – mitsamt den darin auftretenden zänkischen Göttergestalten?)

Ob der Prophet nun lesen konnte oder nicht – die Bibel zumindest kannte er wohl eher aus Erzählungen jüdischer und christlicher Bekannter als aus eigener Lektüre. Wahrscheinlich waren ihm nicht einmal die Paulusbriefe geläufig – der Koran enthält jedenfalls keinen Hinweis darauf -, ganz zu schweigen von den Schriften der Kirchenväter oder auch dem Talmud.

Dementsprechend werden etliche zentrale theologische Fragen im Koran auf die denkbar anspruchsloseste Weise abgehandelt; er geht gewissermaßen den Weg des geringsten Widerstands. Das gilt für die Theodizee („Wenn Gott allmächtig ist, warum gibt es dann so viel Übel in der Welt?“), die mit dem Hinweis auf die Unerforschlichkeit des göttlichen Willens abgetan wird, wie für die menschliche Willensfreiheit, die der Koran schlicht verneint, weil Allah „recht leitet, wen er will und in die Irre führt, wen er will“, wobei die Frage offen bleibt, wie es um die Gerechtigkeit eines Gottes bestellt ist, der die von ihm selbst irregeleiteten Sünder mit dem Höllenfeuer bestraft. Und es gilt für die in anderen Religionen oft hochkomplexe Dialektik von Gottesliebe und Gottesfurcht, von Gnade und Strafe Gottes, von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, von Glaube und Gehorsam. Es wird wenig beachtet, dass es einen fundamentalen Unterschied bedeutet, ob der Glaube Selbstzweck ist, wie beim Gottvertrauen – oder ob er Mittel zu dem Zweck ist, belohnt zu werden bzw. Strafe zu vermeiden. Wenn der Koran in fast jeder Sure (113 und 114 sind Ausnahmen) mit Zuckerbrot und Peitsche arbeitet, so impliziert dies den Appell an die Muslime, das Wohlwollen Allahs zu kaufen.

Die „Lösungen“, die der Koran für diese theologischen Probleme anbietet, sind in sich zweifellos stimmig. Nur wird die Einfachheit und Stringenz der Lehre mit einem Menschenbild erkauft, dessen Implikationen den Islam zu einem mörderischen und totalitären Wahnsystem machen. Ich beziehe mich hier konkret auf die Themen „Materialismuskritik“ und „Prädestination“:

Zusammenhang von Materialismuskritik und Jenseitsorientierung:

Die koranische Materialismuskritik zielt nicht wie die christliche, jüdische oder buddhistische darauf ab, den Menschen aus der Knechtschaft seiner eigenen Begierden zu befreien, um seine Seele zu Gott hin zu öffnen. Oberflächliche begriffliche Ähnlichkeiten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Koran um etwas völlig Anderes geht, ja sogar um das Gegenteil:

Der Muslim soll sein Leben als ein Mittel zum Zweck auffassen, nämlich zu dem Zweck, ins Paradies zu kommen. Dieser Zweck, dem der Muslim sein Leben zu unterwerfen hat, ist fremdgesetzt, nämlich vom Koran vorgegeben. Die Emanzipation von diesem Zwangssystem führt geradewegs in die Hölle. Allah zwingt seine Anhänger also in ein extrem entfremdetes Dasein, in dem bereits die eigenen Gedanken – soweit sie Glaubenszweifel beinhalten – und die eigenen Bedürfnisse – sofern sie sich auf das gute Leben im Diesseits beziehen -, das jenseitige Heil gefährden.

Eine solche Art „Materialismuskritik“ ist nicht nur selbst weit davon entfernt, den Menschen aus der Sklaverei des Habenwollens zu befreien, sie nimmt ihm obendrein die geistige und seelische Autonomie, derer er zu dieser Befreiung bedarf. Indem außerdem das Paradies als ein Ort der nie endenden irdischen Genüsse vorgestellt wird und der Aufenthalt dort sich keinen Deut vom Luxusleben eines Reichen unterscheidet, wird der nie endende Genuss zum letzten Ziel des Lebens erklärt.

So betrachtet, ist das Wort „Materialismuskritik“ in diesem Zusammenhang sogar irreführend. Es geht nämlich nicht darum, materielle Güter zugunsten ideeller zu opfern, sondern das begrenzte und beschränkte diesseitige Leben gegen das unbegrenzte und üppige jenseitige zu tauschen, also weniger gegen mehr. Der fromme Muslim unterscheidet sich vom weniger frommen, erst recht vom „Ungläubigen“, etwa so wie der Sparer vom Konsumenten. Er unterwirft sein Leben im Diesseits dem Gebot Allahs, um im Jenseits mehr und besseres Leben zurückzubekommen, ganz wie der Sparer, der heute auf Konsum verzichtet, um morgen die Zinsen einzustreichen. Allah wird als eine Art Bank gedacht, die über eine gewisse Vertragslaufzeit über die Güter des Kunden verfügt, um an ihrem Ende eine gewaltige Ablaufleistung auszuzahlen – eine Idee, auf die so wohl nur ein Kaufmann verfallen konnte. Der Gedanke, dass gerade das Habenwollen, das Leben als Mittel zum Zweck den Menschen von Gott entfernt, kann im koranischen Kontext nicht gedacht werden; dementsprechend werden Religionen, die auf diesem Gedanken aufbauen, selbst von denjenigen (wenigen) Muslimen nicht verstanden, die sich überhaupt damit beschäftigen.

Mehr noch: Das Leben als Mittel zum Zweck ist ein Leben, das in sich keinen Wert hat und deshalb geopfert werden kann und soll: bestenfalls als sinnentleertes Dasein:

„Leben heißt Regeln befolgen“, wie eine Muslimin mir einmal sagte; und Necla Kelek stieß bei ihren Recherchen im türkischen Halbstarkenmilieu auf die bemerkenswerte Auffassung, je schlechter man im Diesseits lebe, desto besser werde es einem im Jenseits gehen:

„’Wer auf dieser Welt schlecht lebt, lebt auf der anderen Seite richtig perfekt’, hat Faruk auf der Koranschule gelernt. ‚Wer hier gut lebt, mit Drogen und so, der wird gestraft werden’“. (Necla Kelek, Die verlorenen Söhne, München 2007, S.164)

Was immer Faruk auf der deutschen Hauptschule gelernt und vor allem nicht gelernt haben mag: In der Koranschule hat er jedenfalls gut aufgepasst, und seinen Propheten hat er allemal auf seiner Seite. Sure 11:

(15) Wer das irdische Leben begehrt und seine Pracht, dem wollen wir seine Werke damit lohnen, und sie sollen daran nicht verkürzt werden.

(16) Sie sind es, für die es im Jenseits nichts gibt als das Feuer, und umsonst ist all ihr Tun hienieden gewesen und eitel ihre Werke.“

Natürlich kann das solchermaßen entwertete diesseitige Leben – das eigene und das der Anderen – auch getötet werden. Das Prinzip der Attentäter von Madrid – „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod!“ – ist vom islamischen Standpunkt weder „extremistisch“ noch ein „Missbrauch des Islam“, sondern eine präzise Formulierung der islamischen Auffassung vom Wert des menschlichen Lebens – eine Auffassung, die eben nicht erst in Medina entstanden ist und sich nicht erst dort in den eigentlichen Djihad-Geboten niedergeschlagen hat (wäre dem so, könnte man diese Gebote vielleicht als historisch zufällige Anpassung an politische Realitäten abtun), sondern im Herzen des islamischen Gottes- und Menschenbildes verankert ist.

Prädestination

Man mag einen Widerspruch darin sehen, dass auf der einen Seite Allahs Strafe angedroht wird – was nach unserem Verständnis so etwas wie „Schuldfähigkeit“ voraussetzt -, andererseits aber die Willensfreiheit, und damit eben jene Schuldfähigkeit geleugnet wird. Ein Widerspruch, dessen theologische Bedeutung uns hier weniger beschäftigen soll als seine sozialen Konsequenzen. Was heißt es denn für den Einzelnen, zu wissen, dass Gott einen Teil der Menschen zur ewigen Seligkeit, einen anderen zur ewigen Verdammnis vorbestimmt hat? Scheinbar handelt es sich um ein fatalistisch hinzunehmendes Schicksal. Theoretisch und theologisch wäre das konsequent. Faktisch aber ist diese existenzielle Unsicherheit den Menschen ein Antrieb zu beweisen, dass sie zu den von Gott Auserwählten gehören. Max Weber hat bekanntlich den Geist des Kapitalismus auf den Protestantismus, und hier speziell auf die Prädestinationslehre zurückgeführt, die den Gedanken zumindest nahelegte, dass irdischer Erfolg ein Zeichen für göttliche Erwählung sein könnte.

Da der Islam ebenfalls die strenge Prädestination lehrt, wäre es ganz merkwürdig, wenn bei Muslimen nicht derselbe psychologische Mechanismus greifen würde wie bei Protestanten und es nicht denselben Drang gäbe, die eigene Erwähltheit zu beweisen. Freilich enthält der Koran nicht den geringsten Hinweis darauf, dass irdischer Reichtum per se ein Zeichen von Allahs Wohlgefallen sein könnte. Im Gegenteil lenkt er den Blick der Muslime vom Diesseits weg auf das Jenseits, vgl. etwa Sure 34:

(35) Und sie sprachen: ‚Wir sind reicher an Gut und Kindern und werden nicht bestraft werden.’

(36) Sprich: ’Siehe, mein Herr gibt reiche und bemessene Versorgung, wem er will, jedoch wissen es die meisten Menschen nicht.’

(37) Und weder euer Gut noch eure Kinder ist das, was euch Uns nahebringen soll. Nur diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, die sollen doppelten Lohn für das, was sie taten, erhalten und sollen in den Söllern (des Paradieses) sicher sein.“

Das Auserwähltheitskriterium, das zu erfüllen den Muslimen nahegelegt wird, ist die Orientierung am Jenseits, ist die Erfüllung religiöser Pflichten, ist der Einsatz für den Islam.

Wie oben schon gesagt: Diese harte Prädestinationslehre gab es als theologische Sondermeinung mit all ihren hochproblematischen Implikationen auch im Christentum, aber dort war sie Gegenstand der Kontroverse und wurde nicht durch göttlichen Ukas dogmatisiert. Bezeichnend ist übrigens, dass der prominenteste Verfechter der harten Prädestination, nämlich Calvin, in Genf eine theokratische Diktatur errichtete, die jedes Islamistenherz noch heute höher schlagen ließe, hätte sie nicht unter christlichen Vorzeichen gestanden. Wo im Namen der Allmacht Gottes nicht nur behauptet wird, dass der Mensch keinen eigenen Willen haben darf, sondern, dass er keinen hat, wo die Unterwerfung unter das „Gottesgesetz“ die einzig zulässige Haltung ist, da stellen sich die Vollstrecker dieses Gesetzes, und müssten sie sich selbst ernennen, ganz von alleine ein.

Die Rolle des Propheten

Der islamophile katholische Theologe Hans Küng schrieb einmal über das koranische Gottesbild, man könne Allah glatt für einen „Gott der Philosophen“ halten, so „dürr und rational“ gehe es dort zu.

Ob es tatsächlich rational zugeht, lasse ich dahingestellt; mit dem Wort „dürr“ aber hat Küng den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn auch gleichsam nur versehentlich. Wer den Koran liest, und zwar mit dem Blick dessen, der an theologischen Fragen interessiert ist, nicht mit dem des Philologen, betritt in der Tat geistiges Ödland. Die schier unaufhörliche Wiederholung immer derselben Themen und Aussagen, noch dazu in oft stereotypen Wendungen; die nicht einmal variantenreiche Umschreibung immer derselben drei Platitüden macht die Lektüre zu einem Ritt durch die Wüste: Eine Düne wie die andere, eine Sure wie die andere. Ab und zu ein Skorpion. Selten eine Oase.

Die Gedankenarmut der koranischen Theologie ist die notwendige Folge der bloß oberflächlichen Rezeption jüdischen und christlichen Gedankenguts durch den Propheten. Waren die jüdische wie die christliche Theologie das Ergebnis eines über viele Generationen sich erstreckenden Prozesses geistiger Durchdringung, Auseinandersetzung und Konkretisierung religiöser Glaubensinhalte, an dessen Ende sich erst das spezifische und unverwechselbare Profil der jeweiligen Religion herausgebildet hatte (allein die Entstehung und Kanonisierung der biblischen Texte dauerte rund tausend Jahre), so beruht der Islam im wesentlichen auf den wenigen fixen Ideen eines zweifellos frommen, auch begabten, aber wenig gebildeten Sektengurus.

Der Koran verknüpft die eigentliche Theologie untrennbar mit dem, was man die „Prophetologie“ nennen könnte, also mit Mohammeds Selbstbeglaubigung als Gesandtem Gottes. In Dutzenden von mekkanischen Suren beklagt sich der Prophet darüber, dass seine mekkanischen Mitbürger ihn nicht als solchen anerkennen – was allein schon ein starkes Indiz dafür ist, dass es mit der Überzeugungskraft seiner Botschaft gewaltig gehapert haben muss. Er sieht sich ausgelacht, angefeindet, als Spinner, Lügner, Märchenonkel verunglimpft. Somit avanciert die Zurückweisung dieser Anfeindungen zum zentralen Thema des Korans.

Dabei bedient sich der Prophet vierer Argumentationsstrategien (wobei jeweils ein zentrales koranisches Thema in einen polemischen Zusammenhang gestellt wird):

  • des Gottesbeweises, wonach Gott sich in seiner Schöpfung offenbart – nach dem Motto „Wo eine Schöpfung, da ein Schöpfer“ ein starkes und unter Theologen beliebtes Argument für die Existenz Gottes, freilich nicht unbedingt für Mohammeds prophetische Sendung.

  • der Rhetorik der beleidigten Leberwurst: Egal, was ich Euch sage, Ihr glaubt mir ja doch nicht (weil Allah euch verdammt und mit Blindheit geschlagen hat).

  • des Hinweises auf die Existenz des Korans und seine sprachlichen Qualitäten

  • der Drohung mit dem Höllenfeuer, aber auch mit irdischen Strafen; dieses Argument scheint der Prophet für das einleuchtendste gehalten zu haben, zumindest greift er auf kein rhetorisches Mittel so häufig zurück wie auf dieses.

Die beiden letztgenannten Argumentationsmuster verdienen eine ausgiebige Würdigung:

Die Bedeutung des Buches

An etlichen Stellen fragt der Prophet die Mekkaner, ob sie denn ihren (heidnischen) Glauben mit einem Buch untermauern könnten, so wie er den seinen. In der mekkanischen Periode war der Koran zwar weit entfernt davon, der geschlossene Korpus zu sein, als den wir ihn kennen – die quasi kanonische Fassung entstand erst nach Mohammeds Tod unter dem Kalifen Uthman -, aber zumindest wurden Mohammeds Offenbarungen bereits schriftlich aufgezeichnet, und der Prophet konnte auf die beiden anderen monotheistischen Religionen verweisen, die – im Gegensatz zu den Heiden – über ein Buch verfügten. Dass er das Buch als das Medium verstand, durch das eine göttliche Offenbarung sich als solche ausweist, ist psychologisch ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Prophet tatsächlich nicht lesen konnte; Analphabeten tendieren bekanntlich nicht selten dazu, im Buch den Inbegriff des Geheimnisvollen und Erhabenen, ja Göttlichen zu sehen.

Für die kulturelle Entwicklung der islamischen Zivilisation sollte dieser abergläubische Zugang zum Medium „Buch“ sich als verhängnisvoll erweisen, und dies gleich in mehrfacher Hinsicht:

Mohammed predigte ja nicht einfach seine Botschaft und hieß seine Zuhörer daran glauben. Vielmehr reagierte er auf eine Anfechtung – das heißt in einem diskursiven Kontext, in dem ein Argument gefordert ist – mit einem Zirkelschluss, indem er die Existenz des Korans als Beleg für die Richtigkeit seines Inhaltes anführt: Mohammed weist sich als Gottes Gesandter dadurch aus, dass er den Koran verkündet, und der Koran stammt von Gott, weil er von Gott zu stammen behauptet.

Dass eine solche Logik fehlerhaft ist, liegt auf der Hand; problematisch wird sie dadurch, dass hier ein Glaubensartikel mit Argumenten gestützt wird, die dem Anspruch nach – aber eben nur dem Anspruch nach! – rational sind, während sie auf einer flagranten Verletzung elementarer Gebote der Logik basieren, insbesondere des Prinzips, dass eine Schlussfolgerung nicht bereits in den Prämissen enthalten sein darf. Wenn aber Gott selbst so argumentiert, wie der Koran ja behauptet, dann ist diese fehlerhafte Logik jeder Kritik entrückt.

Es scheint plausibel, dass eine Kultur, deren Basistext Zirkelschlüsse als rationale Argumente gelten lässt, sich mit der Verinnerlichung logischer Diskursformen schwertut. Deren Regeln werden auch im Westen nicht im Philosophieseminar gelernt, sondern, ähnlich wie die Sprache, im Kommunikationsprozess selbst. In einer Kultur, in der sie nicht gelten, können sie nicht gelernt werden, und wo sie nicht gelernt werden, können sie keine Gültigkeit erlangen: ein Teufelskreis. Auf solchen Teufelskreisen, oder, neutral gesprochen, auf solch wechselseitiger Stabilisierung von Erwartungen basiert menschliche Gesellschaft. Die Veränderung von einmal etablierten Diskursregeln innerhalb einer Gesellschaft ist ungefähr so schwer zu realisieren wie die willkürliche Änderung der Verkehrssprache. Daher ist zu vermuten, dass die durch den Koran implizit gesetzten Diskursregeln langfristig und bis heute stabil sind; umgekehrt formuliert: dass die spezifische Irrationalität (etwa die Neigung zu Verschwörungstheorien, zum Denken in Kollektivbegriffen, zum Gruppennarzissmus) des politischen Diskurses in islamischen Gesellschaften eine ihrer Wurzeln, und zwar die tiefste, im Koran und der auf ihn bezogenen Auslegungstradition hat.

Auf die zweite Hypothek, die Mohammed der islamischen, zumindest aber der arabischen Kultur mit dem Koran auferlegt hat, hat Dan Diner in seinem Buch „Versiegelte Zeit“ hingewiesen: Der Koran selbst unterstreicht an etlichen Stellen seinen arabischen Charakter; diese Sakralisierung von arabischer Sprache und arabischer Schrift lädt bis heute jeden arabischen Text von einem gewissen Anspruchsniveau aufwärts mit einer Dimension von „Heiligkeit“ auf, der einen unbefangenen und kritischen Umgang mit Texten überhaupt erschwert und für die schwach ausgeprägte Lese- und Debattenkultur in arabischen Gesellschaften wenigstens mit verantwortlich sein dürfte. Es ist mehr als nur ein bezeichnendes Detail, dass der Buchdruck im Osmanischen Reich erst mit Jahrhunderten Verspätung Einzug gehalten hat. Lange Zeit war er verboten, wofür die Sorge maßgeblich war, dass mit der Einführung des Buchdrucks auch der Koran gedruckt werden und durch Druckfehler das Wort Allahs entweiht werden könnte.

Der Koran hat durch seine zirkuläre Selbstbeglaubigung als Gottes unmittelbares und zugleich letztes Wort wie durch die Betonung seiner eigenen Vollkommenheit das islamische Denken in ein Korsett gezwängt, aus dem es bis heute nicht herausgefunden hat. Die inhaltliche Wahrheit des Korans gilt in islamischen Gesellschaften als selbstverständliche Tatsache. Man braucht darüber ebensowenig zu reden wie über die Tatsache, dass der Regen von oben nach unten fällt. Einzelne mögen daran ihre Zweifel haben; dann aber tun sie gut daran, diese Zweifel für sich zu behalten, da sie in den Augen der Mehrheit nur auf Dummheit oder Bosheit beruhen können. Da außerdem der Koran als schlechthin vollkommen gilt, als Inbegriff allen relevanten Wissens, ist jede weltliche wissenschaftliche Neugier in den Augen frommer Muslime höchst suspekt: bestenfalls überflüssiges l’art pour l’art, schlimmstenfalls Ausdruck einer zweifelnden, sprich ungläubigen Geisteshaltung, zumal moderne Wissenschaft westliche Wissenschaft und schon deshalb mit dem Stigma des Unislamischen behaftet ist. Zwar werden wissenschaftliche Erkenntnisse selbstredend auch in der islamischen Welt geschätzt, soweit man sie unmittelbar anwenden kann – in der Medizin zum Beispiel, in der Architektur, nicht zuletzt in der Waffentechnik. Die sokratische Prämisse aber – „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ -, die solche Erkenntnisse erst ermöglicht, kollidiert mit der als Selbstverständlichkeit verinnerlichten Selbstbeglaubigung des Korans und gilt als Blasphemie.

Subtiler, aber nicht minder fundamental, ist die Wirkung des Korans auf die muslimische Geschichtsauffassung. Wir hatten gesehen, wie der Prophet biblisches Material ohne Rücksicht auf ursprünglichen Inhalt und Kontext in eine Schablone presste, die auf ihn selbst passte, und dass der Sinn dieses Vorgehens darin bestand, ihn als den legitimen Erben aller relevanten Personen der biblischen Heilsgeschichte auszuweisen.

Es konnte nicht ausbleiben, dass dadurch die Heilsgeschichte selbst als die ewige Wiederkehr des Gleichen erscheint. Die Entwicklung von Adam zu Abraham, von Abraham zu Moses, von Moses zu Jesus, die im jüdischen bzw. christlichen Kontext als Stufenfolge erscheint, in der sich der Heilsplan Gottes entfaltet, enthält in sich bereits den Gedanken historischer Dynamik, einer Dynamik der Höherentwicklung. Auch wenn es Vielen von uns nicht bewusst ist: Die Vorstellung vom „Fortschritt“, die unserem Zeit- und Geschichtsverständnis zugrunde liegt, ist nichts anderes als die moderne Variante der traditionellen Deutung von Geschichte als Heilsgeschichte. Sie ist, wenn man so will, säkularisierte Geschichtstheologie.

Der Koran dagegen entzieht einem solchen Gedanken bereits die Grundlage, bevor er überhaupt gedacht werden kann. Es geht hier nicht darum, ob Geschichte tatsächlich eine immanente Richtung kennt (obwohl starke Argumente dafür sprechen, dass die Entwicklung zu Strukturen immer höherer Komplexität tatsächlich als Tendenz aller Materie innewohnt, nicht nur der belebten), ob also unser dynamisches Geschichtsverständnis „richtig“ und das statische der (meisten) Muslime „falsch“ ist, sondern es geht darum, dass die Bereitschaft, Geschichte als gerichtete Bewegung zu interpretieren, in der westlichen Kultur mit derselben Selbstverständlichkeit vorhanden ist, wie sie in der islamischen fehlt.

Der Koran setzt die Botschaft Mohammeds als unveränderliche Gegebenheit buchstäblich seit Adam und Eva voraus. Es gibt Glauben und Unglauben; was es nicht gibt, ist eine Veränderung und Entwicklung des Glaubens (oder Unglaubens); es gibt Gläubige und Ungläubige, und zwischen ihnen das ewige Ringen. Marx und Engels persiflierend könnte man sagen, für den Islam sei alle Geschichte eine Geschichte des Kampfes zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Während aber für den Marxismus der Klassenkampf zu einer dialektischen Höherentwicklung der Menschheit führt, wobei die fortschrittliche Klasse von gestern die reaktionäre von heute sein kann, hatten wir gesehen, dass für den Koran die Menschheit seit der Vertreibung aus dem Paradies in Gläubige und Ungläubige gespalten ist und bis zum Jüngsten Gericht bleiben wird; natürlich werden die Gläubigen eines Tages siegen, das wird aber ein Endpunkt sein, nicht etwa der Ausgangspunkt eines neuen dialektischen Zyklus.

Es scheint naheliegend, dass eine solche statische Geschichtsauffassung den Hang zum anachronistischen Denken mindestens begünstigt. In der Tat trifft man bei Muslimen häufig auf Argumentationsmuster, die einen zweifeln lassen, ob sie sich bewusst sind, im 21. Jahrhundert zu leben – wenn etwa Bin Laden den Kampf gegen Juden und Kreuzritter proklamiert, ohne ausgelacht zu werden, oder wenn ein arabischer Gesprächspartner, offenbar guten Glaubens, versichert, die arabische Medizin sei der westlichen überlegen, und sich dabei nicht etwa auf den Status Quo des Jahres 1008 bezieht, sondern auf den des Jahres 2008.

Zudem hat der voluntaristische Zugriff des Korans auf die historische Überlieferung in der islamischen Welt zumindest stilprägend gewirkt. Ob Ägypten den Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges als Jahrestag eines „Sieges“ feiert; ob der iranische Präsident behauptet, der Holocaust sei nur erfunden worden, um die Gründung Israels zu legitimieren; ob der türkische Ministerpräsident seinen hiesigen Landsleuten einredet, sie hätten Deutschland aufgebaut – stets aufs Neue verblüfft den Westler die muslimische Neigung zur Geschichtsfälschung, und dies umso mehr, als sie von den muslimischen Funktionseliten mindestens ebenso selbstverständlich betrieben wird wie von dem Mann auf der Straße.

Kulturelle Selbstverständlichkeiten

Man neigt unwillkürlich dazu, Muslimen einen besonderen Hang zur Lüge zu unterstellen; da sie aber wahrscheinlich subjektiv ganz aufrichtig an ihre eigenen Märchen glauben, scheint es mir sinnvoller anzunehmen, sie lebten in einer anderen Wirklichkeit als wir. Was wahr bzw. wirklich ist, ist eine Frage der gesellschaftlich akzeptierten Wahrheitskriterien: Wir im Westen sind es gewöhnt, ausschließlich das als wahr zu erachten, was in Übereinstimmung mit empirischen Fakten steht, und wir haben in Gestalt der modernen Wissenschaft ein höchst komplexes Regelsystem institutionalisiert, dass auf nichts anderes spezialisiert ist als auf die Eliminierung von Unwahrheiten. Dabei ist diese Wissenschaft mindestens ebenso sehr ein Produkt unseres empirisch ausgerichteten Wahrheitsverständnisses wie sie dieses durch ihre Erfolge vertieft und verstärkt.

Nicht dass es nicht auch im Westen Raum für Geschichtsmythen und –legenden gäbe. Aber es gibt zugleich akzeptierte Regeln, diese Legenden zu widerlegen, und niemand, der ernstgenommen werden möchte, wird sich dabei erwischen lassen wollen, wie er Dinge behauptet, die offensichtlich ohne jeden Bezug zur Realität sind.

(Gedankensysteme, die aus ideologischen Prämissen historische „Fakten“ ableiten, die dann rückbezüglich die Ideologie bestätigen, gab es in Europa nur in totalitären Zusammenhängen, und dies kommt nicht von ungefähr: George Orwell hat in „1984“, der klassischen literarischen Rekonstruktion des Wesens des Totalitarismus, den Satz geprägt: „Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft.“ Diese Wirklichkeitskontrolle, die darauf hinausläuft, Tatsachen nicht als Gegebenheiten zu akzeptieren, sondern zu dekretieren, dient in totalitären Systemen dazu, jeder kritischen Auseinandersetzung mit der herrschenden Ideologie die Faktenbasis zu entziehen und damit dissidentes Denken unmöglich zu machen. Es geht in dieser Analyse nicht darum, den Islam insgesamt als totalitäre Ideologie zu dechiffrieren, aber sein Geschichtsverständnis liefert einen Hinweis darauf, dass er eben dies sein könnte.)

In islamischen Gesellschaften dagegen ist dergleichen gang und gäbe. Offensichtlich gelten dort andere Wahrheitskriterien als im Westen. Die Frage ist, welche das sind, und warum sie so sind, wie sie sind.

Zumindest so viel scheint klar: Empirische Fakten spielen keine Rolle, es sei denn als Rohmaterial, aus dem man passende Legenden schnitzt. Historisch wahr ist nicht, was mit empirischen Tatsachen übereinstimmt. Wahr ist, was der Koran sagt; was dem Islam nützt; was den Interessen und dem Selbstbild der Muslime entspricht; und was deshalb von Muslimen übereinstimmend für wahr gehalten wird. Die Parallele zwischen dem Geschichtsverständnis heutiger Muslime und dem Vorgehen Mohammeds beim Zugriff auf biblisches Material liegt auf der Hand. Sie ist so frappierend, dass man einen kausalen Zusammenhang einfach vermuten muss. Die Wahrheitskriterien der Muslime sind genau die, die implizit im Koran verankert sind; insofern wäre es geradezu kühn, den Koran nicht für das spezifisch muslimische Wahrheits- und Geschichtsverständnis verantwortlich zu machen.

Das heißt nicht, dass ich Muslime für blöde erklärte, oder dass ich ihnen die Fähigkeit abspräche, sich individuell an anderen – z.B. westlichen – Wahrheitskriterien zu orientieren. Wahrheitskriterien sind ihrer Natur nach Spielregeln. Sie gelten, wie alle Spielregeln, zwischen Menschen. Sie sind gesellschaftlich etabliert. Damit sie das sein können, müssen sie zwar auch in den Köpfen verankert sein – aber durchaus nicht unbedingt in jedem einzelnen. Ein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens, der dem Andersdenkenden zumindest die Beweislast auferlegt (sofern er ihn überhaupt zu Wort kommen lässt), genügt vollkommen, um „Wahrheiten“ bzw. Wahrheitskriterien als gesellschaftliche Realitäten zu etablieren, an denen niemand vorbeikommt.

So glaubt zum Beispiel kaum ein Europäer mehr an die Existenz von Hexen, und wer es doch tut, gilt als komische Figur. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass noch vor ein paar hundert Jahren praktisch jeder Europäer an Hexen glaubte, und dass es heute ebenso wenige Beweise für ihre Nichtexistenz gibt wie im Mittelalter für ihre Existenz. Damals wie heute – und wie überall zu allen Zeiten – hielten die Menschen das für wahr, was „Alle“ sagten. Also das, was gesellschaftlich akzeptiert wurde, nicht unbedingt das, was man selbst kritisch überprüft hätte. Auch für die größten Geister wäre es rein praktisch unmöglich, alles zu überprüfen, was sie als wahr erachten, und nur die wenigsten Menschen werden sich Rechenschaft ablegen, warum sie etwas für wahr halten. Sie werden behaupten, sie folgten nur ihrem gesunden Menschenverstand; dessen Denken aber ist vorstrukturiert durch unbewusste Vor-Annahmen, die als kulturelle Selbstverständlichkeiten (eben weil sie nicht bewusst sind) einen unerschütterlichen Interpretationsrahmen abgeben können, in dem das Wahrheitsverständnis ganzer Gesellschaften gefangen ist.

Wir Menschen mögen vernunftbegabte Wesen sein, sollten aber die Reichweite dieser Vernunft nicht überschätzen. Wir sind mindestens ebenso sehr soziale wie vernunftbegabte Wesen, und das eine kann durchaus im Widerspruch zum anderen stehen. Aus der Beobachtung, dass Rationalität selten, Konformismus aber universell vorkommt, schließe ich, dass die Übereinstimmung mit dem vorherrschenden Weltbild der jeweils eigenen Gruppe den meisten Menschen weitaus wichtiger ist als die Erkenntnis einer abstrakten Wahrheit, insbesondere, wenn die dem Gruppenkonsens zuwiderläuft.

In dieser Hinsicht unterscheiden sich Muslime keinen Deut von Westlern (oder von Buddhisten oder Eskimos oder wem auch immer). Ich muss dies hervorheben, weil mir die Unsitte bekannt ist, jede generalisierende Aussage über eine Gruppe von Menschen in die Schublade des „Rassismus“ zu stopfen. Wenn ich aber feststelle, dass muslimische Gesellschaften – oder auch Parallelgesellschaften – über ein gruppenspezifisches Weltbild verfügen, dann unterscheiden sich nicht die Muslime von anderen Menschen, sondern dieses Weltbild von denen nichtmuslimischer Gesellschaften.

Drei „abrahamitische“ Religionen?

Wenn ich dies feststelle, dass Wahrheitskriterien je gruppenspezifisch gelten, so behaupte ich damit aber keineswegs, dass alle Systeme von Wahrheitskriterien gleich gut oder gleich schlecht seien, oder dass sie alle dieselben sozialen Konsequenzen hätten. Es wäre ja ganz sinnlos und geradezu ein Widerspruch in sich, darauf zu bestehen, dass in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Weltbilder existieren, dann aber nicht zu sagen, worin diese Unterschiede bestehen und wie sie sich gesellschaftlich auswirken, sondern sie in dem Moment auszublenden bzw. als irrelevant abzutun, wo es die sozialen Wirkungen dieser Unterschiede zu beleuchten, insbesondere Konflikte zu erklären gilt.

Der Unterschied zwischen dem westlichen und dem islamischen Weltbild besteht nicht so sehr darin, dass sie die Wirklichkeit – im Sinne empirischer Tatsachen – unterschiedlich interpretierten und bewerteten (das natürlich auch), sondern darin, dass der Islam sich seine eigene Wirklichkeit schafft. Die zirkuläre Logik der koranischen Geschichtsauffassung, „Fakten“ aus der Lehre abzuleiten, deren Richtigkeit dann mithilfe eben dieser „Fakten“ beglaubigt wird, prägt bis heute das Wahrheits- und Geschichtsverständnis der meisten Muslime und führt zu einer prinzipiellen Verständigungsblockade zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Gesellschaften. Eine Verständigung, ein „Dialog“, der diesen Namen verdient, setzt ein Minimum an Konsens über die geltenden Diskursregeln voraus. Eine zirkulär sich selbst bestätigende Ideologie kann aber naturgemäß nur die eigenen Diskursregeln akzeptieren und stellt Jeden, der einen „Dialog“ versucht, vor die Alternative zwischen vorauseilendem Gehorsam und dem Abbruch des Gesprächs.

Besonders brisant ist dieses Problem, wenn die „Dialogpartner“ der Muslime ausgerechnet Christen und Juden sind. Der Koran manipuliert ja nicht irgendwelches, sondern biblisches Material, und das trägt viel zu dem problematischen Verhältnis des Islam zu den beiden monotheistischen Vorgängerreligionen bei. Exemplarisch sei Sure 19 herangezogen:

Sure 19 greift auf biblisches Material zurück, diesmal aber nicht, um eine Straflegende daran zu knüpfen, sondern um die Allmacht Allahs zu beweisen und ganz nebenbei gegen das Christentum zu polemisieren, das hier zum erstenmal (nach Nöldekes Chronologie, s.o.) explizit aufs Korn genommen wird:

Das an sich unfruchtbare Weib des Zacharias gebiert aufgrund Allahs Eingreifen Johannes den Täufer, die Jungfrau Maria gebiert Jesus (womit Allahs Allmacht bewiesen werden soll, nicht etwa Jesu Göttlichkeit, wie es der christlichen Auffassung entspräche) . Der neugeborene Jesus spricht (Ja, er spricht als Säugling! Der Koran verwendet hier ein apokryphe Evangelium):

„(30) Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat Er mir das Buch, und Er machte mich zum Propheten.

Und damit auch ja niemand etwas missversteht:

(34) Dies ist Jesus, der Sohn der Maria – das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.

(35) Nicht steht es Allah an, einen Sohn zu zeugen. Preis Ihm! Wenn Er ein Ding beschließt, so spricht Er nur zu ihm: ‚Sei!’ und es ist.

(…)

(37) Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages!“ [Hervorhebung von mir, M.]

Danach werden Abraham, Isaak, Jakob, Moses, Aaron, Ismael, Idris (Henoch) als Propheten Allahs gepriesen. Auf jeden der beiden Abschnitte (Johannes/Jesus bzw. die Propheten) folgen kontrastierende Verse: Über „Sekten“, die „untereinander uneinig“ seien (siehe oben) bzw. „ein Geschlecht, welches das Gebet unterließ und den Lüsten folgte“ (Vers 59). Beiden Gegnern, die in diesem Kontext unschwer als Christen und Juden zu identifizieren sind, werden Höllenstrafen angedroht. Bekehren sie sich aber zum Islam (und nur dann!), winkt auch ihnen das Paradies.

Eine bemerkenswerte Erweiterung und Konkretisierung der islamischen Botschaft: Bis dahin konnten Mohammeds Zuhörer glauben, nur Heiden seien „Ungläubige“. Jetzt aber, also schon in Mekka, nicht erst in Medina, wird klargestellt, dass der Islam nicht nur den Polytheismus bekämpft, sondern dass auch Christen und Juden, Monotheisten also, „Ungläubige“ sind, die nur durch Bekehrung der Hölle entgehen können.

Machen wir uns die Implikationen klar, die aus dieser Art der koranischen Adaption biblischer Überlieferungen resultieren, und zwar im Verhältnis zu Christen und Juden:

Der Islam erhebt den Anspruch, die ursprüngliche monotheistische Religion zu sein, wenn nicht im historischen, so doch im theologischen Sinne (wobei die meisten Muslime, einschließlich der Korangelehrten, kaum wahrnehmen, dass das ein Unterschied sein könnte). Seinem Selbstverständnis nach ist also nicht etwa der Islam eine sektiererische Abweichung von den ihm vorausgehenden Monotheismen, sondern im Gegenteil der einzig wahre Monotheismus, von dem die anderen Religionen abgewichen seien.

Wenn der Koran die biblische Überlieferung entsprechend den Bedürfnissen Mohammeds zurechtfrisiert, dann bedeutet dies weitaus mehr als nur den Versuch, eine eigene theologische Position neben Christentum und Judentum zu formulieren. Es geht vielmehr darum, die Überlieferungen dieser Religionen zu vereinnahmen, umzudeuten und, im 68er-Jargon gesprochen, „umzufunktionieren“, um die Basis von deren Legitimität zu zerstören und zugleich die islamische Umma gegen Juden und speziell Christen missionsfest zu machen, indem man die jüdisch-christliche Tradition und Begrifflichkeit von vornherein mit einer islamischen Deutung besetzt, die eine gegen Christen und Juden gerichtete Spitze enthält.

Wenn gerade Moses und Jesus im Koran so ausführlich gewürdigt werden, so geschieht dies nicht etwa, um eine Brücke zu den von ihnen gestifteten Religionen zu bauen, sondern hat im Gegenteil den Sinn, den Muslimen einen unvoreingenommenen Blick auf die jüdischen und christlichen theologischen Lehren unmöglich zu machen. Das islamische Moses- bzw. Jesusbild soll in den Köpfen der Muslime so fest verankert werden, dass sie christliche und jüdische Positionen gar nicht mehr anders denn als Irrlehre auffassen können.

Das politisch korrekte Gerede von den „drei abrahamitischen Religionen“, die „gemeinsame Wurzeln“ hätten, ignoriert konsequent die theologische Struktur des Korans. Dem Islam dient die Berufung auf biblische Traditionen einzig und allein dazu, diese Traditionen für sich zu usurpieren, um aus ihnen eine Waffe zu schmieden.

Damit geht die islamische Lehre weit über das Maß an Abgrenzung gegenüber ähnlichen Religionen hinaus, die zur eigenen Profilierung nötig wäre. Islam und Christentum haben zumindest dies gemeinsam, dass sie beide den Monotheismus als solchen bei ihrer Entstehung bereits vorfanden und vor dem Problem standen, sich gegenüber der bzw. den etablierten monotheistischen Religion(en) zu positionieren. Will man die Besonderheiten des islamischen Verhältnisses zu den anderen „abrahamitischen“ Religionen herausarbeiten, so bietet es sich daher an, zunächst einen Vergleich zu ziehen zu der Art, wie das Christentum sich gegen das Judentum profiliert hat (und hier zitiere ich mich selbst):

Das Christentum entwickelte seine spezifische Identität in Auseinandersetzung mit und in Abgrenzung vom Judentum – es definierte sich geradezu dadurch, dass es nicht jüdisch war, während es zugleich den Anspruch erhob, gleichsam das bessere Judentum zu sein. Dadurch wurde den Juden von Beginn der Christianisierung an der Status der “Sie-Gruppe” (also der Gegengruppe zur “Wir-Gruppe”) zugeschrieben und durch den prägenden Einfluss des Christentums auf die von ihm durchdrungenen Gesellschaften in deren kulturelle DNA eingeschrieben: Dass die Juden die “Anderen” sind, gehört daher zu den vorbewussten kulturellen Selbstverständlichkeiten in christlich geprägten Gesellschaften, die deshalb auch nicht auf die theologische Begründung angewiesen sind, auf der sie irgendwann einmal beruht hatten, sondern in jeden beliebigen ideologischen Kontext integrierbar sind – sei er rassistisch, nationalistisch, sozialistisch, antiimperialistisch, was auch immer.

Das Teuflische daran ist unter anderem, dass mit jedem neuen ideologischen Kontext auch neue antisemitische Klischees erzeugt werden, die mit dem Absterben der jeweiligen Ideologie nicht etwa verschwinden, sondern als Denkfiguren und Deutungsmuster – also als Potenzial – erhalten bleiben und in ganz unerwarteten Zusammenhängen wieder auftauchen können; so etwa die Vorstellung vom Kindermörder (Herodes, Ritualmordlegenden) im “antizionistischen” oder das Klischee vom “jüdischen Kapitalisten” im islamistischen Zusammenhang.

(Wenn man sich dies vor Augen hält, versteht man übrigens auch, warum es wenig erkenntnisfördernd, ja sogar hochgradig irreführend wäre, westlichen “Antiislamismus” mit dem christlichen Antisemitismus zu vergleichen: Für das Selbstverständnis christlich geprägter Gesellschaften spielt das Judentum – aber eben nicht der Islam! – eine zentrale Rolle als negativer Bezugspunkt.)

Es liegt eine gewisse tragikomische Ironie darin, dass christliche Westler, die sich verzweifelt bemühen, alles zu tun, um den Hass der Muslime auf den Westen zu besänftigen, demselben Trugschluss unterliegen, wie jene Juden, die den Antisemitismus auf ihre eigenen Eigenschaften und ihr eigenes Verhalten zurückführen (statt ihn als Eigenschaft der sie umgebenden Gesellschaft zu betrachten), und daher glauben, ihn durch Entgegenkommen, Selbstverleugnung, Selbsthass, Anbiederung oder Unterwerfung beschwichtigen zu können. Aus der Sicht des Islam nämlich erfüllen Christentum und Judentum gemeinsam die Funktion, die das Judentum für das Christentum hat – die Funktion der Kontrastfolie, vor deren Hintergrund das eigene Selbstverständnis definiert wird. Definiert sich das Christentum dadurch, dass es nicht jüdisch ist, so definiert sich der Islam dadurch, dass er nicht jüdisch und nicht christlich ist. Wobei noch verschärfend hinzukommt, dass es einem Muslim – anders als einem Christen – geradezu verboten ist, solche Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen, weil dies einer Infragestellung des Korans gleichkäme.

Wenn es also im christlich-islamischen Verhältnis eine Parallele zum christlichen Antisemitismus gibt, so liegt sie nicht in einer christlich-westlichen “Islamophobie”, sondern im islamischen Christenhass. Bedenkt man, welch mörderischen Judenhass das Christentum bereits durch seine bloße Eigenprofilierung entfachte, so scheint es für Christen wenig beruhigend festzustellen, dass derselbe Zusammenhang auch im Islam existiert, sich dort aber gegen Juden und Christen richtet.

Und noch beunruhigender ist, dass im Islam diese Tendenz in mehrfacher Hinsicht ungleich schärfer ausgeprägt ist als im Christentum:

Christen haben ja niemals, auch nicht im Mittelalter, angezweifelt, dass die jüdische Religion authentisch den alten wahren Glauben, den Alten Bund, eben das „Alte Testament“ verkörpert, und demgemäß haben sie den Juden auch nicht vorgeworfen, sie seien von diesem Glauben abgewichen; sie warfen ihnen vielmehr vor, nicht abgewichen zu sein, als das Wirken Christi eine solche „Abweichung“ nötig gemacht hätte. Der Kampf der Christen gegen die Juden wurde mit dem Neuen Testament geführt, nicht mit dem Alten. Die Frage, ob der Neue Bund (der Christen) den Alten aufgehoben hat, oder ob der Alte neben dem Neuen fortbesteht, wird vom Neuen Testament nicht beantwortet. Dieser Umstand ist entscheidend für das heutige Verhältnis der Religionen zueinander. Anders als früher bestätigen die meisten christlichen Kirchen heute, dass der Bund zwischen Gott und dem Volk Israel nach wie vor in Kraft ist. Sie können das tun, weil die Bibel ihnen die Freiheit dazu lässt. Der Koran lässt solche Freiheiten nicht.

Der Islam baut vielmehr auf der Fiktion auf, die ursprüngliche Religion Gottes zu sein. Der Sinn der monoton sich wiederholenden Straflegenden und sonstigen Bibeladaptionen besteht darin, den Muslimen einzureden, dass von Abraham bis Jesus keiner der „Vorläufer“ Mohammeds irgendetwas anderes gepredigt hätte als Mohammed selbst. So kommt es, dass weder in Sure 19 noch irgendwo sonst im Koran im Zusammenhang mit Jesus die Bergpredigt oder auch nur das Wort „Nächstenliebe“ erwähnt wird. Es geht dem Koran nicht um historische Authentizität, sondern darum, eine „Ur-Religion“ zu fingieren, die von allen alttestamentlichen Autoritäten und von Jesus verkündet worden sei. Nur auf diesem Wege ist es möglich, den Juden und Christen die Rolle von Abtrünnigen und Ketzern zuzuschreiben, die wider besseres Wissen, also schuldhaft, die Lehre Allahs verfälscht hätten.

Christentum und Judentum gelten nach koranischer Lesart nur in den Punkten als tolerabel, in denen sie mit dem Islam übereinstimmen; weswegen sie von Muslimen gerade noch geduldet werden können. Wie diese Duldung in der Praxis aussah, werden wir in dem Kapitel über die Dhimmitude erörtern. Wo sie nicht übereinstimmen, das heißt in genau den Bereichen, die spezifisch christlich bzw. jüdisch sind, gelten sie – und das ist entscheidend, gerade im Unterschied zum christlichen Antijudaismus – nicht etwa als an sich legitime, nur eben überholte und anachronistische Formen von Religion, sondern als von Anfang an – ex tunc, wie die Juristen sagen – gotteslästerliche und theologisch wie moralisch minderwertige Irrlehren, ihre Anhänger demgemäß bestenfalls als bemitleidenswerte Narren, normalerweise aber als Feinde Allahs.

Wer immer sich im interreligiösen Dialog versucht und glaubt, etwa in der Gestalt Jesu einen Anknüpfungspunkt für „Gemeinsamkeiten“ zu finden, muss wissen, dass der Koran aus Jesus ein Abziehbild Mohammeds gemacht hat; dass für Muslime dort, wo „Jesus“ draufsteht, Mohammed drinsteckt, und dass jede Bezugnahme auf Jesus in ihren Augen die „Wahrheit“ des Islam, und eben nicht die des Christentums, oder zumindest dessen Legitimität, untermauert.

Die Geistfeindlichkeit des Korans

Schließlich, und damit kommen wir zum nächsten fragwürdigen Aspekt der koranischen Überlieferung, erkauft der Koran seinen Anspruch auf Vollkommenheit mit der gouvernantenhaften Bevormundung seiner Leser:

Nichts darf offen bleiben, nichts paradox sein, nichts einer Deutung bedürfen. Während die Bibel das Wirken Gottes in der Geschichte thematisiert, die Deutung dieses Wirkens aber weitgehend den Gläubigen selbst überlässt, die folgerichtig seit fast drei Jahrtausenden darüber diskutieren, ist dem Propheten – und damit dem Koran – alles ein Gräuel, worüber man „uneins“ sein könnte. Selbst wo er auf biblisches und historisches (oder für historisch gehaltenes) Material zurückgreift, lässt er den Leser über die Moral von der Geschicht’ niemals im Unklaren: Am Koran darf es nichts zu deuten und schon gar nichts zu deuteln geben – die Interpretation wird stets mitgeliefert. Offen bleiben allenfalls Fragen sakraljuristischer, nicht aber solche theologischer Natur. Dass ein solcher Text, wenn er als Grundlage aller geistigen Bildung einer Gesellschaft dient, deren intellektuelle Kreativität ersticken muss, sollte einleuchten, und es ist alles andere als ein Zufall, dass die (momentan) bloß fünfzehn Millionen Juden auf der Welt, die seit dreitausend Jahren mit sich und mit Gott hadern, an geistiger Produktivität die hundertmal zahlreicheren Muslime um ein Vielfaches übertreffen.

Das Gewaltpotenzial

Kommen wir zur letzten und bei weitem am häufigsten verwendeten rhetorischen Figur, mit der Mohammed seinen Sendungsanspruch unterstreicht: zur Drohung mit der göttlichen Strafe für die Ungläubigen. Unwillkürlich fragt man sich, wen diese Drohung eigentlich beeindrucken sollte? Etwa die „Ungläubigen“ selbst, also die gegen Mohammed polemisierenden Mekkaner? Das wäre ein Widerspruch in sich, denn wenn sie nicht an Allah und schon gar nicht an Mohammeds Sendung glaubten, dann werden seine Straf- und Donnerpredigten sie erst recht kalt gelassen haben. Seinen gläubigen Anhängern wiederum musste er nicht mit dem Höllenfeuer drohen.

Nein, diese Drohungen zielten weder auf Anhänger noch auf bekennende Gegner; sie zielten auf die Unentschlossenen, die Zweifelnden, auf Menschen, die nicht so recht gläubig waren, aber doch dachten, es könnte etwas dran sein an Mohammeds Predigt. Der Prophet setzt auf die Strategie, diesen Menschen Angst einzujagen. Damit trifft er eine Vorentscheidung, die den Charakter und die Entwicklung des Islam prägen wird. Gewiss gehört die Straf- und Donnerpredigt für jeden anständigen Propheten zu den Kernkompetenzen. Die zentrale Stellung aber, die die Drohung mit dem Strafgericht Gottes einnimmt, ist eine islamische Besonderheit, zumal wenn man bedenkt, dass diese Drohung die regelmäßige Reaktion auf die Ablehnung der islamischen Botschaft ist. Es geht also nicht darum, Sündern ins Gewissen zu reden und ihrer Tugend auf die Sprünge zu helfen, sondern mit dem Mittel der Drohung zu missionieren. Da es nach islamischem Verständnis zudem Gott selbst ist, der hier den „Ungläubigen“ mit massiver Gewaltanwendung im Dies- wie im Jenseits droht, können moralische Bedenken gegen Drohung und Einschüchterung als Mittel der Mission gar nicht erst aufkommen: Was Allah recht ist, kann den Muslimen billig sein.

Oft wird behauptet, „Islam“ bedeute „Frieden“. „Frieden“ heißt aber „Salam“; das Wort ist in der Tat aus derselben Wortwurzel S-L-M gebildet wie „Islam“, aber es bedeutet deshalb noch lange nicht dasselbe. Für „Islam“ gibt es zwei korrekte Übersetzungen. Die eine lautet „Hingabe“ (an den Willen Allahs). Wie nennt man aber eine Bekehrung, die durch Drohung erzwungen wird? „Hingabe“? Nein, man nennt das „Unterwerfung“.

Der vielzitierte Satz, der Islam kenne „keinen Zwang in der Religion“ wird bereits in Mekka Vers um Vers und Sure um Sure brutal dementiert. Die Bekehrungsstrategie des Propheten ist die Verbreitung von Angst und Schrecken – zu Deutsch: Terror. Und es macht die Dinge nicht besser, dass Mohammed in Ermangelung physischer Machtmittel zunächst auf Psychoterror setzt. Er wird zu handfesteren Mitteln greifen, sobald er die Chance dazu hat; die islamische Gewaltexplosion von 622 an ist nicht etwa zufälligen politischen Umständen geschuldet, sie ist auch keine Abweichung vom „wahren Islam“, und sie ist kein Kompromiss, den der Prophet nolens volens mit den politischen Realitäten geschlossen hätte. Vielmehr hat Mohammed bereits in Mekka psychologisch und theologisch den Boden dafür bereitet, den neuen Glauben mit Gewalt zu verbreiten.

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