Mission Europa Netzwerk Karl Martell

Wie Islamisierung funktionierte. Und funktioniert. Und funktionieren wird.

Posted by paulipoldie on August 23, 2009

http://www.korrektheiten.com/2009/02/16/wie-islamisierung-funktionierte-und-funktioniert-und-funktionieren-wird/

Ein historischer Rückblick mit aktuellen Bezügen. Wie die Araber des siebten bis zehnten Jahrhunderts die von ihnen eroberten Gebiete islamisch durchdrangen, welche Rolle die Dhimmitude dabei spielte, und wie die islamische Mentalität dadurch bis heute geprägt wird.

(Die Darstellung basiert auf den Werken von Bat Ye’Or, Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam, und Martin Tamcke, Christen in der islamischen Welt.)

Vielen Menschen im Westen ist heute kaum mehr bewusst, dass der Nahe Osten, Nordafrika und Kleinasien, also genau diejenigen Gebiete, die als die Kernlande des Islam zu betrachten wir gewohnt sind, in vorislamischer Zeit die Hochburgen des Christentums waren,wo der christliche Glaube früher, rascher und tiefer ins Volk eingedrungen war als irgendwo sonst im Römischen Reich.

Natürlich weiß man, dass es dort vor dem Islam irgendetwas gegeben haben muss, und wer darüber nachdenkt, wird wissen, dass dies die römisch-griechische Zivilisation und mit ihr das Christentum waren. Dass der Ausbreitung des Islam als einer Religion ein über hundertjähriger Eroberungszug vorausging, der die politische Herrschaft muslimischer Araber etablierte, das weiß zumindest der gebildete Zeitgenosse auch.

Und doch ist das vorherrschende Geschichtsbild eines, das so nur haben kann, wer sich weigert, Eins und Eins zusammenzuzählen:

Europäer haben sich daran gewöhnt zu glauben, eine so genannte „islamische Zivilisation“ sei der abendländischen im Mittelalter haushoch überlegen gewesen – so, als ob die in der Tat hochstehende Zivilisation dieser Gebiete nicht bereits vor der islamischen Eroberung existiert hätte; so, als ob die an römische bzw. altpersische Kultur gewöhnten Christen, Juden und Zoroastrier es nötig gehabt hätten, von räuberischen Beduinen Nachhilfe in Zivilisation zu bekommen; so, als ob der Islam als Religion auch nur das Geringste mit den geistig-kulturellen Leistungen zu tun gehabt hätte, die in diesem Raum auch nach der islamischen Eroberung noch für einige Jahrhunderte erbracht wurden; so als ob nicht beiden großen Djihadwellen – der arabischen und später noch einmal der türkisch-osmanischen – nach einem steilen, aber kurzen Aufstieg ein jeweils Jahrhunderte währender Verfall gefolgt wäre. Ein Verfall, den man, anders als die vorangegangene Blütezeit, inkonsequenterweise nicht dem Islam aufs Konto schreibt.

Europäer haben sich daran gewöhnt, nicht zu fragen, woher es kommt, dass die einzigen Völker, die den Islam kollektiv, also als Völker, angenommen haben, ausgerechnet nacheinander die Araber und die Türken waren, darüberhinaus Mongolenstämme waren – zum Zeitpunkt ihrer Islamisierung räuberische Barbarenvölker. Die naheliegende Frage, ob der Islam gerade für solche Völker attraktiv sein und woran das liegen könnte, gilt als unseriös.

Ferner haben Europäer sich daran gewöhnt, nicht darüber nachzudenken, wie es kommen konnte, dass die Kernlande des Christentums innerhalb weniger Jahrhunderte nahezu vollständig islamisiert werden konnten – ganz so, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre, dass militärische Eroberung zwangsläufig eine Konversionswelle nach sich ziehen müsste, zumal unter den Bedingungen „islamischer Toleranz“ – noch so eine Legende, die bevorzugt in den Köpfen solcher Menschen spukt, die sich für aufgeklärt halten.

Muslime nennen die Eroberungskriege, die der Islamisierung der unterworfenen Länder vorausgingen „Futuhat“, was soviel bedeutet wie „Öffnungen“ (für den Islam). In unseren Ohren mag dies euphemistisch klingen (ungefähr wie „brüderliche Hilfe“ als Umschreibung für sowjetische Militärinterventionen), es entspricht jedoch der inneren Logik des islamischen Rechts:

Ich habe gezeigt, dass der Koran die Ausbreitung des Islam unzweideutig vorschreibt, und dass er dabei auch Gewaltanwendung gegen die so genannten „Ungläubigen“ erlaubt – aber eben nicht als Mittel der Bekehrung von Schriftbesitzern, also von Juden und Christen (später auch von Zoroastriern).

Realgeschichtlich wurde die Konversion auch von Christen und Juden (Polytheisten, Hindus zum Beispiel, wurden ohnehin nicht geschont) zwar wesentlich häufiger buchstäblich mit vorgehaltenem Krummsäbel erzwungen, als die Legende von der „islamischen Toleranz“ uns vorgaukeln will; trotzdem war sie insgesamt die Ausnahme, nicht etwa die Regel. Und wenn auch das islamische Recht, wie wir noch sehen werden, ein Normensystem mit eingebauter Selbstumgehung ist, sobald es um die Rechte der „Ungläubigen“ geht, wurde es beim Thema „Bekehrung“ doch im Großen und Ganzen eingehalten.

Warum dann aber die Gewaltanwendung?

Weil politische Macht das Instrument ist, mit dessen Hilfe man die Spielregeln setzt, die innerhalb einer Gesellschaft gelten, und weil es möglich ist, Spielregeln so zu setzen, dass die Konversion ganzer Glaubensgemeinschaften “ohne Zwang”, “freiwillig” und “von alleine” vor sich geht. Die politische Herrschaft über die nichtmuslimische autochthone Bevölkerung war nur eine notwendige, keineswegs eine hinreichende Voraussetzung für die islamische Durchdringung der unterworfenen Länder. Sie war genau das, als was die Muslime sie bezeichneten: eine Öffnung. Von nun an konnte der Islam praktisch ungehindert in diese Länder und Völker einsickern, und die Mittel, mit denen dies ins Werk gesetzt wurde, sind für den Sozialwissenschaftler so faszinierend wie für den Beobachter des aktuellen Zeitgeschehens beunruhigend.

Was hier vorgestellt wird, sind einige typische Elemente der Islamisierungspolitik, die sehr flexibel eingesetzt wurden. Sie alle haben eine Grundlage in Koran und Sunna, deswegen spielen sie auch in allen historischen Islamisierungsprozessen eine Rolle; man darf sich diese Vorgänge aber nicht schematisch im Sinne einer strikten Abfolge vorstellen: Der Islam gibt den Djihadisten Werkzeuge in die Hand und die notwendige Mentalität, von ihnen Gebrauch zu machen, aber er enthält nicht, wie ein Kochbuch, eine Gebrauchsanleitung, die man mechanisch befolgen könnte.

a) Konsolidierung durch Abschottung

Auch wenn – zahlreichen Quellen zufolge – bereits im Zuge der Eroberung kleinere Teile der autochthonen Bevölkerung zum Islam konvertierten, sei es aus Todesangst, sei es aus dem Wunsch, bei den Siegern zu sein: Die überwältigende Mehrheit blieb zunächst bei ihrem – christlichen, jüdischen oder zoroastrischen – Glauben. Die arabischen Muslime thronten also zunächst als kleine, mancherorts sogar winzige Minderheit über „ungläubigen“ Völkern, noch dazu Völkern, die als Untertanen des römisch-byzantinischen bzw. persischen Reiches den Arabern kulturell überlegen waren.

Der in einer solchen Konstellation zu erwartende Effekt ist, dass der politisch herrschende, aber kulturell unterlegene Eroberer sich die Kultur des Unterworfenen aneignet und in dessen Volk aufgeht, so wie sich die Goten in Spanien und die Franken in Gallien romanisierten, oder wie die Mongolen nach der Niederwerfung Chinas zu Chinesen mutierten.

Nichts dergleichen geschah nach den arabischen Eroberungen.

Ich habe schon in dem Artikel über den medinensischen Koran erwähnt, dass der Koran die soziale Abgrenzung, ja Abschottung der muslimischen Umma gegen Andersgläubige vorschreibt, und dass er die Chance auf friedliche Missionierung, die in einem engen sozialen Kontakt ja auch steckt, allem Anschein nach ziemlich gering achtet. Darüber könnte man sich wundern.

Wenn wir uns aber bewusst machen, dass die Muslime praktisch überall außerhalb ihres arabischen Kernlandes als Minderheit lebten, noch dazu als nicht unbedingt beliebte Minderheit von Eroberern, dann erkennen wir, dass die Abschottung die Voraussetzung dafür war, die eigene muslimische Gruppe als einzig verlässliche „Wir“-Gruppe wahrzunehmen. Hätten sich die arabischen Muslime einfach unters Volk gemischt, so wäre es ihnen wahrscheinlich just so ergangen wie den zitierten Goten, Franken und Mongolen. Es wäre zur kulturellen Assimilation gekommen, und der Islam wäre zunächst zur Privatangelegenheit der einzelnen Muslime geworden, um schließlich als religionsgeschichtliches Kuriosum – nicht richtig jüdisch, nicht richtig christlich – in Vergessenheit zu geraten und heute ein Spezialgebiet mehr oder minder exzentrischer Historiker zu sein.

Eine zentrale Funktion kam in diesem Zusammenhang den Moscheen zu, die als Zentren der islamischen Garnison in jeder eroberten Stadt entstanden. Moscheen waren weitaus mehr als bloße Bet- oder Gotteshäuser. Sie waren soziale Zentren, in denen die Muslime moralisch aufgerüstet wurden, indem ihnen täglich die Überlegenheit des Islam, der Wille Allahs und die Größe ihrer Mission vor Augen geführt wurden, wo politische Angelegenheiten besprochen wurden, und wo man unter sich war. Die Formation betender Muslime erinnert nicht etwa nur zufällig an eine Schlachtreihe von Kriegern; die notwendige innere Verbindung von Religion und Krieg, vom Koran hundertfach wiederholt, vom Propheten tausendfach bekräftigt, wurde auf diese Weise für jedermann sinnlich und sinnfällig zum Ausdruck gebracht und erfahrbar gemacht.

(Es ist keineswegs ein anachronistischer Vergleich von mittelalterlichen Äpfeln mit modernen Birnen, wenn man feststellt, dass die Selbstabschottung heutiger muslimischer Minderheiten, ihre prinzipielle, weil zu einer Frage von Ehre und Moral erhobene Assimilationsverweigerung, und speziell auch die Errichtung von gigantischen Moscheen als Sinnbildern von Macht wie als autarken Gemeindezentren den Mustern folgen, die seit den frühesten Tagen des Islam typisch waren für das Auftreten von Muslimen in den von ihnen eroberten Ländern. Anachronistisch ist dieser Vergleich deshalb nicht, weil die darin sich ausdrückende Kontinuität von Theologie, Sozialnormen und Mentalität zu offenkundig ist, als dass man Parallelen als bloß zufällig abtun könnte.)

b) Demographische Expansion durch Migration

Nach den arabischen Eroberungen waren oft weite Landstriche verwüstet und die einheimische Bevölkerung durch Ermordung oder Deportation dezimiert. Die Eroberer standen also nicht nur vor dem Problem, eine Minderheit zu sein, die über eine Mehrheit herrscht, sondern sie mussten den eroberten Raum auch sinnvoll nutzen. Mit der Ansiedlung von muslimischen Arabern lösten sie beide Probleme gleichzeitig.

Dabei hatte die Verschiebung des demographischen Gleichgewichts nicht nur eine quantitative, sondern auch ein qualitative Komponente. Es kam also zunächst nicht unbedingt darauf an, dass die Araber eine Mehrheit bildeten. Es genügte, dass es ihnen, und nur ihnen, erlaubt war, Waffen zu tragen. Dieser schlichte Umstand verschaffte ihnen auch als einer Minderheit, so sie nur flächendeckend vertreten war, die Schlüsselposition zur Kontrolle des Raumes. Er stellte sicher, dass die Muslime stets die Partei waren, die das letzte Wort behielt.

Vielfach ging dadurch die Vertreibung der Einheimischen auch nach der Eroberung weiter. Da viele der einwandernden Muslime Nomaden waren, die schon traditionell vom Raub lebten, standen die Rechte der – theoretisch – Schutzbefohlenen vielfach nur auf dem Papier. Das Klima der Unsicherheit und Anarchie, speziell bei den Bauern, trug das seine dazu bei, das viele ihre Heimat verließen, um Platz für nachrückende Araber zu machen.

c) die Dhimma – der „Schutzvertrag“

Waren Abschottung und Migration noch Instrumente, die die Eroberer auch ohne die Kooperation der Unterworfenen handhaben konnten, so war die Dhimma, also die vertragsrechtliche Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, das Mittel, mit dem die Spielregeln so gesetzt wurden, dass konkurrierende Religionen über kurz oder lang verschwinden mussten. Mit dem Schutzvertrag endete nicht etwa der Djihad – in gewissem Sinne ging er jetzt erst richtig los. Ziel der Dhimma war nicht der Modus vivendi, jedenfalls nicht als Endzustand, sondern, die Dinge kontrolliert in Bewegung zu bringen,

bis die Verführung aufgehört hat und der Glauben an Allah da ist“ (Koran 2, 193).

Die Dhimma war ein Instrument des Djihad. Wer heute von der angeblichen islamischen Toleranz fabuliert und dies ausgerechnet mit der Existenz solcher Verträge begründet, hat entweder den Islam nicht verstanden oder spekuliert auf die infantile Leichtgläubigkeit eines harmoniesüchtigen westlichen Publikums.

Der rechtliche Status der Dhimmis variierte im Zeitverlauf und von Land zu Land. Im wesentlichen jedoch waren die Konditionen stets dieselben, und sie lassen sich vier zentralen, miteinander zusammenhängenden Themen zuordnen:

  • wirtschaftliche Ausplünderung
  • Demütigung und Diskriminierung
  • Beherrschung des öffentlichen Raumes
  • Verbot der Kritik am Islam

Ausplünderung

Den Dhimmis wurde die Djizya – eine Kopfsteuer – und der Charadj auferlegt, eine Grundsteuer, die wesentlich höher lag als der Zehnt, der auch von muslimischen Grundbesitzern erhoben wurde. Beide Steuern sind, islamischem Recht zufolge, der Preis dafür, dass die Dhimmis, die von Rechts wegen Kriegsbeute der Muslime sind, wenigstens im Besitz ihres früheren Eigentums bleiben, nicht getötet werden, ihren Glauben weiter ausüben können, und dass die meisten von ihnen nicht versklavt werden.

Die meisten. Denn viele Dhimmi-Verträge verpflichteten die unterworfenen Völker, einmalig oder regelmäßig Kontingente an Sklaven zu stellen. Die osmanische Praxis der Knabenlese ist dabei nur ein besonders prominentes Beispiel von schier unzähligen: Die christlichen Balkanvölker, speziell die Serben, wurden jahrhundertelang gezwungen, dem Sultan jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von Knaben zu überlassen, die ihren Familien entrissen, zwangsbekehrt und gehirngewaschen wurden, um als fanatische Elitekrieger im Janitscharen-Korps zu dienen, wo sie oftmals gegen genau die Völker eingesetzt wurden, aus denen sie stammten.

Dabei waren die geforderten Steuern stets hoch genug, um als drückende Last empfunden zu werden. Zeitweise waren sie sogar so ruinös hoch, dass die Bauern sie nicht aufbringen konnten. Wer der Versklavung entgehen wollte, hatte dann keine andere Wahl als die Flucht – ins Ausland oder in die Städte. Unter den Abbasidenkalifen waren zeitweise große Teile des Staatsapparates mit der Jagd auf geflohene Bauern betraut.

Die Dhimmi-Völker wurden dabei kollektiv zur Besteuerung herangezogen, und es waren die eigenen – christlichen, jüdischen, zoroastrischen – geistlichen Honoratioren, die dem islamischen Staat für das Aufbringen der Steuer verantwortlich waren.

Überhaupt wuchsen diese Notabeln, da sie der einzige anerkannte Partner des Staates waren, in eine Machtposition hinein, die sie so vor der islamischen Eroberung nicht innegehabt hatten – oblag doch ihnen allein die Regelung der inneren Angelegenheiten ihrer Gemeinschaften, in die sich der Staat normalerweise nicht einmischte. Entsprechend war diese „Autonomie“ eine höchst zweischneidige Angelegenheit: Indem sie den Notabeln eine enorme Macht über ihre Gemeinschaften übertrug, korrumpierte sie sie und ließ als einzige Vertretung der unterworfenen Völker nur solche Instanzen zu, deren Eigeninteressen sie darauf verwiesen, eher dem Staat zu dienen als dem eigenen Volk.

Demütigung und Diskriminierung

Jahrhundertelang existierte in den meisten islamischen Ländern das Ritual, dass Christen und Juden bei Ablieferung ihrer Steuern den Kopf beugen mussten und vom muslimischen Steuereintreiber einen Schlag auf den Hinterkopf bekamen. Es war dies nur ein Element eines ganzen Bündels von Bestimmungen, das dazu bestimmt war, die Dhimmis zu jeder Stunde des Tages daran zu erinnern, dass sie Menschen minderer Würde und minderen Rechts waren:

Dhimmis durften sich gegen Übergriffe von Muslimen nicht wehren. Beleidigungen waren ohnehin an der Tagesordnung, sie galten geradezu als ein Gewohnheitsrecht der Muslime, während die Beleidigung eines Muslims ein Verbrechen war. Auch Schläge, sogar von muslimischen Kindern, hatten Christen und Juden klaglos zu dulden; sie mit Steinen zu bewerfen war ein beliebtes Kinderspiel. Selbst Notwehr war ihnen untersagt: Dhimmis waren verpflichtet, sich eher totschlagen zu lassen als die Hand gegen einen Muslim zu erheben.

Dhimmis hatten sich Muslimen gegenüber stets unterwürfig zu verhalten. Sie mussten Platz machen, wenn ihnen auf der Straße ein Muslim entgegenkam. Sie durften keine Pferde oder Kamele reiten, höchstens Esel. Mancherorts durften sie auch überhaupt nicht reiten, sondern hatten zu Fuß zu gehen, und dies mit minderwertigem oder gar keinem Schuhwerk. Wenn sie aber wenigstens einen Esel reiten durften, dann hatten sie – auch als Männer – nach Frauenart zu reiten. Dass sie keine Waffen tragen durften, verstand sich geradezu von selbst.

Vielerorts war es außerdem üblich, dass sie bestimmte Orte, Städte oder Stadtteile nicht betreten durften, sondern auf ihre Viertel beschränkt blieben. (Wer es, etwa als Jude, gar wagte, eine Moschee zu betreten, wurde ohne weiteres gelyncht. Das Verbot, Moscheen zu betreten, ist zwar nirgendwo in der Scharia verankert und wird deshalb heute auch nicht mehr praktiziert, galt aber bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein als Selbstverständlichkeit.) Man sieht, dass das Gebot sozialer Abschottung, wie vom Koran vorgezeichnet, mit großer Konsequenz praktiziert wurde, bis hin zu einem frühen System von Apartheid.

Es wurde streng darauf geachtet, dass sie sich nicht als Muslime ausgeben konnten, um die Vorschriften zu unterlaufen. Der gelbe Fleck als Erkennungsmerkmal für Juden ist wahrscheinlich eine muslimische Erfindung. Im Übrigen gab es sehr viele Varianten von Kleidervorschriften, denen aber allen gemeinsam war, dass die Kleider der Dhimmis bestenfalls unscheinbar sein durften, oft aber wurden ihnen auch richtig hässliche und lächerlich machende Kleidungsstücke aufgezwungen. Der Sinn der Vorschriften war nämlich nicht nur, die Dhimmis als solche erkennbar zu machen, sondern auch zu verhindern, dass ein Muslim einen Christen oder Juden aufgrund von dessen Kleidung als sozial höhergestellt erlebte.

Und dabei sind dies nur die Praktiken, die von der Scharia gedeckt und deshalb legal waren. Da aber das Zeugnis von Christen oder Juden gegen Muslime vor Gericht nichts galt – auch dies entsprach dem islamischen Recht -, blieb de facto jeglicher Übergriff von Muslimen gegen Dhimmis mindestens so lange ungeahndet, wie sich kein muslimischer Zeuge und vor allem kein mächtiger muslimischer Protektor fand, der zu Gunsten der Dhimmis einschritt. Dergleichen gab es bisweilen. Allerdings riskierten muslimische Potentaten, die sich für Christen oder Juden einsetzten, Konflikte mit ihren eigenen Glaubensgenossen. Es gibt zahlreiche Beispiele für politische Unruhen, die sich daran entzündeten, dass Dhimmis nicht mit der vom (muslimischen) Volk gewünschten Härte unterdrückt wurden.

Auch die Zwangsbekehrung, von Koran und Scharia an sich verboten, gehörte von Beginn an zu den Mitteln, mit denen der Islam sich ausbreitete. Wo kein Kläger, da kein Richter. Allerdings betone ich nochmals, dass sie trotz ihrer Häufigkeit die Ausnahme und nicht die Regel waren. Sie kamen häufig genug vor, um einschüchternd zu wirken, aber nicht so< häufig, dass man in der Konversion von – langfristig – ganzen Völkern in erster Linie das Ergebnis von unmittelbarer Gewaltandrohung sehen dürfte.

Beherrschung des öffentlichen Raumes

Auf die große Bedeutung von Moscheen für die Islamisierung eroberter Länder ist bereits hingewiesen worden. Sie waren aber nicht nur die oben beschriebenen sozialen Zentren, sondern auch wesentlicher Teil einer Art von architektonischem Djihad.

Dhimmi-Verträge beinhalteten praktisch überall detaillierte Bestimmungen darüber, in welchen Grenzen die Ausübung der jeweiligen Religionen von den Muslimen geduldet wurde. Vielfach hatten die Araber – später die Türken – bereits in der Eroberungsphase vollendete Tatsachen geschaffen, indem sie vorhandene Kirchen und Synagogen kurzerhand niederbrannten, nicht ohne sie vorher ihrer Wertsachen beraubt zu haben. Besonders konsequente Eroberer trieben noch die Mitglieder der dazugehörigen Gemeinden in die Gotteshäuser, bevor sie sie anzündeten.

Christen und Juden durften von Muslimen zerstörte Gotteshäuser nicht wieder aufbauen, und solche, die die Muslime beschlagnahmt und zu Moscheen umgewidmet hatten, wurden selbstredend nicht zurückgegeben. Aber auch diejenigen Kirchen und Synagogen, die die Eroberung überstanden hatten, durften nur instandgehalten, nicht aber ausgebaut werden, und der Neubau von christlichen und jüdischen Gotteshäusern war verboten (und ist es in vielen islamischen Ländern bis heute; selbst dort, wo man es de jure darf, wird trickreich dafür gesorgt, dass man es de facto nicht kann). <

Auf diese Weise sorgten die Muslime dafür, dass ihre eigenen Moscheen stets größer und prächtiger waren als die Kirchen und Synagogen der „Ungläubigen“.

Damit aber nicht genug: Christen und Juden durften überhaupt nichts tun, was man als Werbung für ihre Religion hätte auffassen können. Hinter den Mauern von Kirchen und Synagogen durften sie ihre Religion ausüben, und auch dies nur, wenn dies so leise geschah, dass man von außen nichts davon merkte. Beerdigungen hatten sogar in aller Stille stattzufinden; die Friedhöfe der „Ungläubigen“ hatten so unauffällig zu sein wie diese selbst, und Muslime hatten keine Skrupel, solche Friedhöfe bei Bedarf, oder auch als Terrormaßnahme, einzuebnen. Dass Glockenläuten verboten war, versteht sich geradezu von selbst.

Hier ging es nicht nur um die Abwehr etwaiger Bekehrungsversuche, es ging auch nicht nur um die Demonstration von Dominanz (darum ging es natürlich auch, aber dazu kommen wir noch). Die Beherrschung des öffentlichen Raumes diente vor allem dazu, das Gemeinwesen als ein islamisches zu definieren. Es ging nicht nur darum, klarzustellen, wer oben und wer unten, sondern auch, was Zentrum und was Peripherie war. Ich erinnere nochmals daran, dass die Muslime eine Minderheit waren, die von den Beherrschten als eine lästige Fremdherrschaft empfunden wurde: zwar oben, aber eben zugleich Peripherie. Es zeugt von einem nachgerade diabolischen psychologischen Instinkt, dass die Muslime genau dieses Empfinden unterminierten, indem sie die Sphäre des Öffentlichen islamisch durchdrangen und dadurch die Dhimmis dazu brachten, sich schon zu einer Zeit als Außenseiter der Gesellschaft – also als Minderheit – zu betrachten, als sie numerisch noch die große Mehrheit< stellten. <

Verbot von Kritik am Islam

Wir hatten schon bei der Korananalyse bemerkt, dass der Prophet Kritik am Islam (erst recht natürlich Spott, ganz zu schweigen von dem Versuch, Muslime zu bekehren) nicht anders denn als Angriff wertete, der eine gewaltsame Antwort herausfordert und rechtfertigt, und so verwundert es kaum, dass das strikte Verbot solcher „Übergriffe“ praktisch überall im Dar al-Islam gang und gäbe war. Verbunden mit der systematischen Verweigerung von Rechtsschutz war die Anschuldigung der Blasphemie (darunter fiel jegliche Kritik am Islam) sogar eine tödliche Waffe, die von jedem Muslim gegen jeden Christen oder Juden geführt werden konnte – und in Ländern wie Pakistan bis heute wird.

Vor allem aber war sichergestellt, dass Muslime die Fähigkeit, am Islam zu zweifeln, gar nicht erst entwickeln konnten, da sie mit Kritik normalerweise nie konfrontiert wurden. (Wenn aber doch, waren sie darauf konditioniert, sie sofort als „böse“, nämlich als Angriff zu werten. In dieser Verwechslung der Begriffspaars „wahr/unwahr“ mit dem Begriffspaar „gut/böse“ liegt übrigens eine bemerkenswerte Parallele zu einem anderen erkenntnisblockierenden Wahnsystem namens „Political Correctness“. Es gibt nichts, was den antiaufklärerischen Charakter beider Ideologien, zugleich ihre innere Verwandtschaft so eindrucksvoll unterstreicht wie die Tatsache, dass sie sich beide mithilfe desselben Kunstgriffes gegen Kritik immunisieren.)

Wir sind nicht erst beim Karikaturenstreit 2006 mit der Tatsache konfrontiert worden, dass viele Muslime dazu neigen, auf Kritik an ihrer Religion mit Gewalt zu reagieren oder solche Gewaltanwendung zumindest passiv zu billigen.

Dass der Koran Gewaltanwendung als angemessene Reaktion auf Kritik, Spott und Bekehrungsversuche nicht nur erlaubt, sondern gebietet, ist nur eine notwendige, keine hinreichende Voraussetzung dafür, dass militante, gewalttätige Intoleranz bis heute die Mentalität breiter Massen von Muslimen prägt. Diese Verankerung in der Kollektivmentalität war vielmehr erst dadurch möglich, dass die koranischen Normen zu sozialen Realitäten erhoben wurden und als solche jahrhundertelang praktisch erfahrbar waren und eingeübt wurden.

Die Ambivalenz des islamischen Rechts als Instrument der Islamisierung

Wohlwollende Islamhistoriker verweisen gerne darauf, dass das islamische Recht, speziell die Dhimmitude, den Juden und Christen zwar keine Menschenrechte in unserem heutigen Sinne gewährt habe, und dass auch die islamische „Toleranz“ des Mittelalters wenig mit dem zu tun hatte, was wir heute unter „Toleranz“ verstehen, nämlich die Anerkennung der Legitimität der Differenz, dass sie aber doch immerhin so etwas wie Rechtssicherheit geboten habe, und dass dies mehr gewesen sei, als religiöse Minderheiten damals normalerweise zu erwarten hatten.

Es sei nicht bestritten, dass das islamische Recht, auch wenn es häufig missachtet wurde, zumindest als Norm einer hemmungslosen Gewaltanwendung im Wege stand, und das war immerhin mehr als nichts. Es war nur weitaus weniger als „Rechtssicherheit“.

Die Verweigerung sowohl effektiven Rechtsschutzes als auch effektiver Verteidigungsmöglichkeiten war selbst Teil der Dhimmitude und führte dazu, dass die „Ungläubigen“ in einem Zustand permanenter existenzieller Verunsicherung leben mussten: Der nächste der häufigen Beduinenüberfälle, das nächste Pogrom, die nächste Denunziation wegen angeblicher „Beleidigung des Propheten“, der nächste Streit mit einem muslimischen Nachbarn konnte Ruin, Sklaverei oder Tod bedeuten, und das nicht nur für die jeweils betroffene Einzelperson, sondern auch für deren Familie und Gemeinde.

Und dabei war es so einfach, sich diesen Gefahren zu entziehen: Man musste nur zum Islam übertreten.

Der Übertritt befreite einen zwar nicht, jedenfalls nicht sofort, von der Djizya – wenn es ums Geld ging, hörte auch bei muslimischen Herrschern der Missionseifer auf -, wohl aber versetzte er den Konvertiten sofort in einen Zustand existenzieller Sicherheit. Konversion zum Islam war gleichbedeutend mit einem gesellschaftlichem Avancement, das nicht einfach von einem schlechteren zu einem besseren Pöstchen führte, sondern aus einem Dasein als gedemütigter und getretener Untermensch heraus zu einer Existenz als stolzer und tretender Herrenmensch. Man muss sich das ungefähr so vorstellen, als wenn ein KZ-Häftling nur den Aufnahmeantrag für die NSDAP zu unterschreiben brauchte, um sein Leben zu retten, seine Freiheit wiederzuerlangen und es sogar zu Wohlstand zu bringen.

(Erstaunlich ist nicht, dass unter diesen Umständen manche schwach wurden, erstaunlich ist, dass die christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinden sich in etlichen Teilen Nordafrikas, des Nahen Ostens und Kleinasiens, über viele Generationen und Jahrhunderte hinweg halten konnten – wenn auch schrumpfend und mit Ach und Krach bis in unsere Tage hinein. Wer allerdings hinsieht, wird feststellen, dass just in unseren Tagen die Muslime vollenden, was der Prophet begonnen hatte, und der ägyptischen, nahöstlichen und kleinasiatischen Christenheit endgültig den Garaus machen, nachdem sie den Juden bereits nach der Gründung des Staates Israel keine andere Wahl gelassen hatten, als dorthin zu emigrieren.)

Man sollte meinen, dass Konversionen, die unter solchen Umständen zustandegekommen waren, die muslimische Umma mit lauter grollenden und murrenden Zwangsmuslimen gefüllt und damit geschwächt hätten. Wahrscheinlich wäre das auch so gewesen, wenn die Konversion buchstäblich unter unmittelbarer Todesandrohung erzwungen worden wäre. In Fällen, wo dies tatsächlich geschah, berichten die Quellen dementsprechend auch, dass die Zwangsbekehrten später (meist vergebens) versuchten, die Genehmigung zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben zu bekommen.

Die islamische Methode hingegen, den Dhimmis immerhin die Chance zu lassen, bei ihrer Religion zu bleiben, zeugt von perfider psychologischer Raffinesse: Indem sie ihnen ein Minimum an Handlungsspielraum beließ, und zwar bei einem Akt, der allem ins Gesicht schlug, was ihnen als gut und anständig beigebracht worden war, nahm sie ihnen zugleich scheinbar das Recht, sich als Opfer von Unrecht und Gewalt zu fühlen. Der Übertritt zum Islam musste freiwillig, musste aus Überzeugung geschehen sein, weil dies für die Konvertiten die einzige Möglichkeit darstellte, sich nicht als Schwächlinge und als Verräter an ihrer Gemeinschaft, ja an Gott, fühlen zu müssen. Die oben beschriebene Knabenlese der Osmanen mitsamt der damit verbundenen Gehirnwäsche war so gesehen nur die etwas radikalere und augenfälligere Variante einer allgemein üblichen Islamisierungsmethode.

Wer es auf diese Weise wurde, wurde ideal und im Wortsinne „Muslim“ – „ein sich Unterwerfender“:

Das waren Menschen, denen das Rückgrat gebrochen worden war; Menschen, die sich selbst nicht den kleinsten inneren Vorbehalt, nicht die geringste Reserve, nicht den leisesten Zweifel am Islam erlauben konnten, weil sie daran zerbrochen wären; Menschen, die diesen psychischen Defekt durch Erziehung weitergaben.

Da praktisch die gesamte Bevölkerung der islamischen Kerngebiete aus Nachkommen von Christen und Juden besteht, die irgendwann ihren Glauben verrieten, konnte dieser psychische Defekt keine individuelle Neurose bleiben, die sich als solche nach wenigen Generationen verloren hätte. Die im kollektiven Unbewussten verankerte Erinnerung an Schwäche und Verrat und die daraus resultierende kollektive Selbstverachtung sind der Nährboden für fanatische Intoleranz, für die Unfähigkeit zu zweifeln und für die stets lockende Versuchung, die eigene Selbstachtung durch Gewalt gegen Andersgläubige – oder auch einfach nur durch Gewalt schlechthin – zu stabilisieren.

Wenn sich der Islam durch eine zirkulär strukturierte Theologie ideologisch und durch Gewaltandrohung sozial gegen Kritik immunisierte, so entpuppt sich die angebliche „Toleranz“ als das Mittel zur Züchtung von Fanatikern: zur psychologischen Selbstimmunisierung!

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