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Henryk Broder: Quid pro quo

Posted by paulipoldie on August 17, 2010

Achse des Guten

Warum der Vorschlag, den Bau von Moscheen “bei uns” in einem quid-pro-quo-Verfahren zu regeln, also mit dem Bau von Kirchen, Bahai-Tempeln, Synagogen und anderen Gotteshäusern in moslemischen Ländern zu verbinden, bei Gutmenschen aller Couleur dermaßen heftige Reaktionen auslöst, ist mir vollkommen unverständlich, geht es doch nicht darum, das Recht auf freie Religionsausübung einzuschränken oder gar abzuschaffen, sondern nur um den Grundsatz der Gegenseitigkeit, auch Reziprozität genannt, der in Beziehungen zwischen Staaten keine Ausnahme sondern die Regel ist.

Die Moscheen, die von Moscheevereinen in der Bundesrepublik gebaut werden, sind keine privaten Bauprojekte von Gläubigen, die so lange ihre Sparschweine füttern, bis genug Geld da ist, um eine Moschee bauen zu können. Es sind die jeweiligen Dachverbände, die den Bau planen, durchführen und auch finanzieren. Dem größten Dachverband, der DITIB, gehören fast 900 Moscheevereine an. Die DITIB ihrerseits ist formal ein eingetragener Verein, der dem deutschen Vereinrecht unterliegt, faktisch aber der verlängerte Arm des türkischen “Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten” in Ankara, also eine türkische Regierungsbehörde.

Man kann die DITIB mit der Türk Hava Yollari vergleichen, der halbstaatlichen türkischen Fluggesellschaft, die auch nicht hinfliegen kann, wann und wohin sie möchte. Es gibt zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Verträge auf der Basis der Gegenseitigkeit, die den Luftverkehr regeln: Wann und wo die THY in Deutschland und wann und wo die LH in der Türkei landen darf. Und nur Kindsköpfe würden darin eine Einschränkung der Reise- und Bewegungsfreiheit sehen. Entsprechende Verträge gibt es auch zwischen der Bundesrepublik und Saudi-Arabien, der Bundesrepublik und dem Iran und anderen Staaten.

So könnte auch der Bau von religiösen Einrichtungen geregelt werden. Quid pro quo. Tit for tat. Ärzte, die in der alten SU, in der Ukraine oder im Tschad ihre Examina gemacht haben, müssen, wenn sie eine Zulassung in der Bundesrepublik bekommen wollen, die Prüfungen noch einmal ablegen, nach den Regeln, die in der BRD gelten.
Niemand denkt daran, die Prügelstrafe in Deutschland einzuführen, um den interkulturellen Dialog mit Saudi-Arabien auf gleicher Augenhöhe führen zu können, aber das bedeutet nicht, dass jede Asymmetrie hingenommen werden muss, von der ohnehin nur jene profitieren, die Spielregeln für eine Zumutung halten.

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