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Hans-Peter Raddatz: Islamismus ist Islam!

Posted by paulipoldie on October 26, 2010

Politically Incorrect

Der Orientalist Dr. Hans-Peter Raddatz hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt, es gebe entgegen der immer wiederkehrenden gegenteiligen Beschwichtigungsformel sehr wohl den einen Islam. Dabei wirft Raddatz den “Dialogführern“ dieser Republik vor, sie wollten mit ihrem Mantra, es gebe nicht den Islam, von der Tatsache ablenken, dass es einen Kernbestandteil des Islam gibt.

Dieser Kern sei die Scharia. Der orthodoxe Islam, der in der Diskussion gerne mit Islamismus umschrieben werde, sei der Islam selbst. Hat der Islamismus also doch etwas mit dem Islam zu tun?

Hier das Interview im Wortlaut, von dem auch ein Audio-Mitschnitt zur Verfügung steht:

Jürgen Liminski: Die Integrationsdebatte ist mit der Einlassung von CSU-Chef Seehofer zur Begrenzung der Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen wieder aufgeflammt, und zwar, wie das in Deutschland so üblich ist, auf emotional hohem Niveau. Die Sachfrage, die dahinter steht, aber lautet, wie integrationsfähig ist der Islam, denn um diesen Kulturkreis geht es de facto. Darüber wollen wir jetzt sprechen mit Hans-Peter Raddatz, er ist Orientalist und Autor einer ganzen Reihe von Büchern über den Islam, die Türkei, den Iran, das Verhältnis des Islam zum Judentum und so weiter, und er ist jetzt am Telefon. Guten Morgen, Herr Raddatz.

Hans-Peter Raddatz: Guten Morgen, Herr Liminski.

Liminski: Herr Raddatz, der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), sagt, zur Wertschöpfung unserer demokratischen Gesellschaft gehört der Islam zweifelsohne nicht. Dem Islam fehle vor allem Liberalität und Kritikfähigkeit. Stimmt das? Hat er recht?

Raddatz: Im Prinzip stimmt das, denn wie sich inzwischen auch in der größeren Öffentlichkeit herumgesprochen hat, ist der Islam ja nicht nur eine Religion, sondern auch eine Ideologie, und zwar eine Ideologie mit sehr hohem und sehr ausdrücklichem Geltungsanspruch, der zu den bekannten und inzwischen auch hier weitläufig diskutierten Erscheinungsformen wie Ehrenmord und dergleichen führt. Und eine solche Ideologie ist selbstverständlich, wie auch wir das aus eigener Erfahrung in Europa wissen, überhaupt nicht kritikfähig, sondern reagiert sofort und zuweilen auch sehr hart auf Kritik, und insofern muss man Herrn Buschkowsky recht geben.

Liminski: Kann man denn überhaupt von “dem Islam” oder “den Muslimen” sprechen?

Raddatz: Insofern, als es natürlich einen ganz klaren und historisch gewachsenen Kern im Islam gibt, und das ist die sogenannte Scharia. Das ist die unfehlbare Pflichtenlehre des Islam, an die sich jeder gläubige Muslim zu halten hat und so weit es möglich ist auch ihren bis ins einzelne Detail gehenden Vorschriften zu folgen hat. “Den Islam” gibt es in diesem Sinne, den gibt es allerdings nicht im Sinne der sogenannten Dialogführer. Das sind diejenigen, die den Import des Islam nach Deutschland und Europa berufsmäßig betreiben. Nach deren Auslegung gibt es den Islam ja eigentlich nicht, weil er angeblich in tausend Facetten zerfällt. Diese Politik wird natürlich genau deswegen betrieben, um den Blick auf den eigentlichen Islam, den Scharia-Islam zu verhindern.

Liminski: In allen islamischen Ländern gilt das Grundgesetz des Din Wa Daula, der Einheit von Politik und Religion. Ist der Islam in seinen unterschiedlichen nationalen Facetten konsens- und kompromissbereit?

Raddatz: Da sprechen Sie ja genau wieder den zentralen Punkt an. Dieses Konzept Din Wa Daula ist übrigens gar nicht auf islamischem Boden gewachsen, sondern ein Konzept, das durch die westlichen Kolonialisten in den Orient getragen wurde, dort übernommen wurde und dann schließlich einverleibt wurde. Aber die Einheit von Staat und Glaube zeigt es ja, dass wiederum hier im Hintergrund die Scharia steht, und obwohl dieses Prinzip Din Wa Daula den Eindruck suggeriert, dass es hier eine Art westähnliche Teilung zwischen Glaube und Gesellschaft gibt, existiert die nicht, denn wenn man genauer hinguckt, ist bis auf die Ausnahmen von Türkei und Tunesien jeder islamische Machthaber auf die Scharia verpflichtet, er verliert seine Legitimität in dem Moment, wo er sie nicht mehr plausibel vertritt.

Liminski: Welche Teile der Scharia sind denn indiskutabel und über welche könnte man reden?

Raddatz: Grundsätzlich steht eigentlich überhaupt nichts zur Diskussion und es gibt auch keine kompatiblen Gesprächspartner im Islam, die überhaupt die Legitimation hätten, irgendetwas zur Disposition zu stellen. Darum geht es natürlich vordergründig aus westlicher Sicht nicht. Wenn es nicht diesen, dem Islam ungeheuer weit entgegenkommenden Dialog gegeben hätte, sondern es den politischen Willen gegeben hätte, sich selbst zunächst mal hinzustellen und den Muslimen bestimmte Forderungen zu stellen, dann hätte man zwei Forderungen in den Vordergrund stellen müssen, nämlich erstens die Frage, was ist eigentlich das Gebet, was ist die Aufgabe der Moschee, und zweitens, was soll die Verhüllung der Frau, welche Aufgabe hat sie, sie hat nicht nur symbolische Bedeutung, sie hat natürlich ganz konkrete menschenrechtsbehindernde Funktionen. Und was das Gebet betrifft und die Rolle der Moschee, kann man nur sagen, diese beiden Punkte sind absolut unverzichtbar, weil hierin nämlich die ständige Vergewisserung der Muslime im Kampf gegen den Unglauben erfolgt. Das heißt, zumindest im Freitagsgebet wird ständig sich des Propheten Mohammed erinnert, seines Modells von Medina, das seinerzeit den Kampf des Islam gegen den Nicht-Islam in Gang gesetzt hat, und dieses Prinzip, Herr Liminski, gilt bis heute.

Liminski: Aber viele muslimische Frauen sind unverhüllt? Also nicht ganz, aber …

Raddatz: Ja, richtig. Natürlich hat das hauptsächlich zunächst mal der westliche Einfluss auf sich, und zweitens darf man nicht vergessen, dass es natürlich eine Minderheit im Islam gibt, die nicht nur aufgrund des westlichen Einflusses, sondern ganz allgemein aufgrund der allgemeinen weltweiten Säkularisierung, die ja nicht nur vom Westen angestoßen ist, sondern von der Wissenschaftsentwicklung allgemein, nun sich hier auch bei denen, bei dieser Minderheit, sagen wir mal 20 bis 25 Prozent, schätzen die Araber zumindest für sich ein, gerne den drückenden Einfluss der Orthodoxie etwas zurückdrängen wollen. Diese Orthodoxie wird bei uns mit Islamismus umschrieben, oft gerne auch vom Islam getrennt, aber diese Orthodoxie ist der Islam selbst. Das heißt, der Islamismus ist Islam, ist gläubiger Islam, und wenn Sie also die Frage stellen, inwieweit das disponibel ist, kann ich immer nur wiederholen, es ist so weit nicht disponibel, wenngleich man sowohl in Amerika als auch in Europa erste leichte Ansätze der Kritik an der bisher praktizierten Dialogpolitik feststellen kann. Da muss man abwarten, wie das weitergeht.

Liminski: Scharia und Freitagsgebet sind für weite Teile des Islam nicht diskutabel. Das war hier im Deutschlandfunk der Orientalist und Islam-Kenner Hans-Peter Raddatz. Besten Dank für das Gespräch, Herr Raddatz.

Raddatz ist nicht nur bei den Aussagen hinsichtlich des Islam selbst zuzustimmen, sondern auch darin, dass die bisherige Kritik an der „Dialog“-Politik nur als erste leichte Ansätze zu bezeichnen ist. Ein „Dialog“ mit dem antizivilisatorischen Islam kann nicht in der Aufgabe eigener Positionen bestehen. Die durch Mohammed abgegebene Kriegserklärung gegenüber den Ungläubigen – von Raddatz als den zu bekriegenden Nicht-Islam umschrieben – gilt bis heute. Nur weil man gewillt ist, diese Kriegserklärung nicht zur Kenntnis zu nehmen, herrscht noch lange kein Frieden. Zum Krieg muss nur eine Partei entschlossen sein, für den Frieden haben sich beide bzw. alle dauerhaft zu entscheiden. Und wie Wilders richtigerweise unter Verweis auf Bukowsky deutlich macht: Appeaser gewinnen keine Kriege!

 

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