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Henryk Broder: Hurra, ich habe Wirkung!

Posted by paulipoldie on August 6, 2011

Quelle: welt.de

Aber selbst wenn ich Bastelbuchautor wäre, hätte Breivik gemordet. Von Henryk M. Broder

Nach massiven Attacken in überregionalen deutschen Zeitungen antwortet unser Autor noch einmal seinen schärfsten Kritikern.

Im Jahre 1923 stellte Kurt Tucholsky fest: “Ich habe Erfolg, aber keinerlei Wirkung.” Zu diesem Zeitpunkt war er bereits einer der bekanntesten und produktivsten Journalisten der Weimarer Republik, Chefredakteur des “Ulk”, der satirischen Beilage des “Berliner Tageblatts”, Mitarbeiter des Wochenblatts “Die Weltbühne”, für das er Leitartikel, Rezensionen, Glossen und Gerichtsreportagen unter seinem Namen und vier Pseudonymen schrieb: Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter und Kaspar Hauser.

Seine Bücher waren Bestseller, die Frauen verehrten ihn. Bevor “Tucho” als Korrespondent für die “Vossische Zeitung” nach Paris ging, belieferte er das Kabarett und Künstlerinnen wie Trude Hesterberg mit bissigen Texten, und weil ihm das alles nicht genug war, engagierte er sich auch in der SPD, der USPD und im “Friedensbund der Kriegsteilnehmer”. Tucholsky war und ist der Prototyp des politischen Schriftstellers, der etwas erreichen will, dem es nicht nur auf den Erfolg, sondern vor allem auf die Wirkung seiner Arbeit ankommt. Er wollte Deutschland vor sich selber retten, und als er merkte, dass ihm das nicht gelingen würde, gab er enttäuscht auf. “Mein Leben ist mir zu kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten, Birnen zu produzieren. Ich nicht mehr. Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen”, schrieb er im Dezember 1935 aus seinem Exil in Schweden an Arnold Zweig. Sechs Tage später nahm er sich das Leben. Das letzte Zeugnis seiner tiefen Resignation ist eine Zeichnung, auf der eine dreistufige Treppe zu sehen ist: “Sprechen, Schreiben, Schweigen.”

Keine andere Berufsgruppe, nicht einmal die der Politiker, ist dermaßen von der Überzeugung beseelt, sich engagieren zu müssen, wie die der Schriftsteller. Ein engagierter Schriftsteller schreibt nicht nur, er unterschreibt auch: Resolutionen für den Frieden, gegen die Armut und für soziale Gerechtigkeit, für das Gute an sich und gegen das Böse im Allgemeinen. Man könnte Bibliotheken mit den Aufrufen von Schriftstellern füllen, die in den letzten sechs Jahrzehnten in die Welt gesetzt wurden. Die einen agierten als Ich-AG, die anderen als Kollektiv ohne eigene Haftung. Unvergessen sind die Auftritte von Günter Grass, der Mitte der 60er-Jahre durch die Bonner Republik tourte und dazu aufrief, die “Es-Pe-De zu wählen”, obwohl er selbst erst 1982 der Partei beitrat und sie 1992 wieder verließ – aus Protest gegen deren Asylpolitik.

Auch die deutsche Wiedervereinigung fand gegen den Rat von Grass statt, der die DDR eine “kommode Diktatur” und die deutsche Teilung eine “Strafe für Auschwitz” genannt hatte. Grollend und schmollend zog er sich daraufhin für eine Weile aus dem Rampenlicht zurück. Zuletzt trat die Gilde der Unterschriftsteller vor zwei Monaten mit einem Aufruf für “Solidarität mit dem libyschen Volk” in Erscheinung, in dem nicht der libysche Herrscher Gaddafi, sondern die Nato verurteilt wurde, weil sie “alle einschlägigen Bestimmungen des Völkerrechts” missachtet und das libysche Volk dafür bestraft, dass es “seinen eigenen Entwicklungsweg geht” und “und sich jeglicher Rekolonialisierung verweigert”.

Erstaunlicher noch als die politische Weisheit solcher Aufrufe ist die Naivität ihrer Verfasser, die vom Glauben an die eigene Wichtigkeit dermaßen berauscht sind, dass sie vor keiner Peinlichkeit zurückschrecken. Würde die Innung der Schornsteinfeger oder der Friseure eine Erklärung zu einer NATO-Intervention abgeben, wäre das zwar ebenso komisch aber artfremd. Obwohl es viel mehr Schornsteinfeger als Schriftsteller gibt, sind diese quasi von Natur aus zum “Engagement” verpflichtet. Ein Schriftsteller, der sich nicht engagiert, ist wie ein Musiker, der Luftgitarre spielt.

Auch das Publikum sieht es so. Es will wissen, warum ein Schriftsteller schreibt und was er mit dem Geschriebenen erreichen will. Eine ehrliche Antwort kann ihn die Sympathien seiner Leser kosten: “Weil ich reich und berühmt werden will” oder “Weil ich nichts Ordentliches gelernt habe”. Das kann man denken, sagen sollte man es nicht, wenn man zu einem Panel über “Die Rolle des Schriftstellers in Zeiten der Globalisierung” im Berliner Haus der Kulturen der Welt eingeladen werden möchte.

Bis vor Kurzem war ich von der Qualität meiner Texte überzeugt, aber mitnichten von meiner Fähigkeit, Geschichte zu schreiben, Sand in das Getriebe des Geschehens zu streuen. Das hat sich geändert, seit ich lesen musste, dass ich (in Zusammenarbeit mit Thilo Sarrazin und Geert Wilders) für den Massenmord auf der Insel Utöya bei Oslo mitverantwortlich bin.

Zwar wäre es “demagogisch, Broder und andere deutsche Islamophobe zu geistigen Brandstiftern zu erklären und für Breiviks Verbrechen in Mithaftung zu nehmen”, schreibt ein Kollege in der Frankfurter Rundschau, richtig sei aber auch, “dass Schriften, wie sie Broder verbreitet, das Entrebillett für den aggressiven Antiislamismus bilden, der nicht nur die deutsche, sondern fast alle europäischen Gesellschaften befallen hat”. Ein Wiener Autor geht in der taz einen Schritt weiter: “Broder & Co haben sich der Mittäterschaft schuldig gemacht… Man sollte sie nicht einfach so damit durchkommen lassen…” Egal, welche Form der Strafe dem Kollegen vorschwebt, er hat sich viel vorgenommen.

“Broder hat mit Sicherheit nicht den Amoklauf Breiviks veranlasst”, urteilt ein Blogger, um den Freispruch gleich wieder aufzuheben: “Gesinnungsbrüder sind sie trotzdem… Weshalb Broder zum Federhalter greift – während sich Breivik stattdessen Glock und Ruger bediente.”

Nun ist es in der Tat kein schönes Gefühl, von einem Massenmörder erwähnt zu werden. Es ist ein Restrisiko. Die Art aber, wie eine kausale Verbindung zwischen mir und dem Autor des 1500 Seiten starken Manifests hergestellt wird, sagt vor allem etwas über die Vorstellungswelt meiner Kritiker aus. Wenn sie nicht offene Rechnungen mit mir begleichen, wie der Wiener Naschmarkt-Philosoph, dann sind sie wohl tatsächlich davon überzeugt, ich hätte Breivik zu seiner Tat animiert, ihn sozusagen auf die Idee gebracht. Leider kann ein Gegenversuch nicht unternommen werden. Was wäre aus dem großen blonden Retter des Abendlandes geworden, wenn er nicht das Interview gelesen hätte, das ich einer holländischen Zeitung gegeben habe? Wäre das Massaker ausgeblieben, hätte er sich zur Heilsarmee gemeldet und seine Waffensammlung bei eBay gegen eine Kiste Mozartkugeln getauscht?

Keiner weiß es. Und weil dem so ist, werden Binsen produziert, wie man sie in jedem Bauernkalender findet. “Der Sumpf ist nicht unbedingt Schuld an den Blüten, die auf ihm gedeihen. Aber ohne den Sumpf gäbe es diese Blüten nicht”, sagt ein bekannter Vorurteilsforscher und suggeriert damit, der Sumpf müsse trockengelegt werden. Da er aber bereits in Rente ist, bietet eine Fachfrau für Medienverantwortung ihre Dienste an: Die Meinungsfreiheit, fordert sie, müsse “neu definiert” werden. Einige dieser Reaktionen mögen dem Schock der ersten Stunden nach dem Massenmord geschuldet sein, andere sind wohlüberlegt.

Hurra, ich habe Wirkung! Ein paar Worte, die ich beiläufig in einem Interview gesagt habe, haben aus einem Versager einen Mörder gemacht. Und das empört einige meiner Kollegen nicht nur, es treibt sie in den grünen Wortneid. Anders als ich überlegen sie genau, was sie sagen und wie sie es sagen, um ihren Worten die optimale Wirkung zu verleihen. Welche Zielgruppe sie ansprechen möchten – die Arbeitslosen, die Hausfrauen oder die allein erziehenden Mütter und Väter. Um Missverständnisse zu vermeiden, feilen und differenzieren sie an ihren Texten, bis sie selber nicht mehr wissen, was sie sagen wollten. Sie nehmen an Hintergrundgesprächen teil, organisieren sich, den Synergieeffekten zuliebe, in Netzwerken – und müssen doch hilflos zusehen, dass weder das Klima noch die Politik ihren Empfehlungen folgen. Sie würden das halbe Weihnachtsgeld opfern, um wenigstens einmal von einem Minister als Ideenlieferant erwähnt zu werden.

Alles, was sie anstreben, ist Wirkung, Wirkung, Wirkung! Wenn aber das gesagte und das geschriebene Wort die Wirkung hätte, die ihm angeblich innewohnt, dann wäre in Deutschland, der Hochburg des Humanismus, das Nazi-Pack nie an die Macht gekommen. Lessings Ringparabel ist doch eher eine Aufgabe fürs Abitur und keine Handlungsanleitung.

Inzwischen möchte jeder Seriendarsteller mit seiner Arbeit die Welt “ein Stück weit” besser machen, wenn er nicht gerade für die UNICEF in Katastrophengebieten unterwegs ist, um darüber anschließend in der “Bunten” zu berichten. Und was Breivik angeht: Er hätte seine Tat auch dann begangen, wenn ich mein Leben lang nur Bastelbücher geschrieben hätte und Sarrazin nicht unter die Autoren gegangen wäre. Einige meiner Kollegen sind da anderer Meinung. Sie sind davon überzeugt, dass Worte Zutaten sind, also zu Taten führen. (Nur bei Attentätern, die sich auf den Koran berufen, machen sie eine Ausnahme.) Sie wollen die Welt verändern, natürlich zum Guten. Ich dagegen finde, die Welt ist schon genug verändert worden, jetzt kommt es wieder darauf an, sie so zu beschreiben, wie sie ist.

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